Wettbewerb. EU-Kommission nimmt sich Mastercard und Co. vor.
BRÜSSEL. Verbraucher und mittelständische Unternehmen werden laut EU-Kommission von Kreditkarten-Anbietern, allen voran Visa und Mastercard, mit zu hohen Gebühren geschröpft. EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes sprach von "mehreren hundert Euro pro Jahr, die jeder Kartenbesitzer zu viel bezahlt". Laut EU-Kommission betrifft diese Schieflage auch Österreich.
Weitere schwarze Schafe seien Italien, Belgien, Finnland und Portugal. Die EU-Kommission fordert nun bis zum Sommer Stellungnahmen der Kreditkarten-Anbieter ein, ehe über rechtliche Schritte entschieden wird. Im Visier der Behörde stehen insbesondere die Marktführer Visa und Mastercard.
Die EU-Kommission verweist auf enorme Unterschiede bei den Gebühren. In einigen Ländern zahlten Verbraucher doppelt so viel wie in anderen. Bei Unternehmen fallen die Unterschiede noch krasser aus: Im teuersten EU-Land waren Visa-Gebühren fünf Mal und Mastercard sechseinhalb Mal so hoch wie im günstigsten.
"Visa und Mastercard führen Verbraucher und kleinere Unternehmen an der Nase herum", sagte Wettbewerbskommissarin Kroes am Mittwoch in Brüssel. "Es gibt im Kreditkartengeschäft keinen lauteren Wettbewerb."
Neue Anbieter könnten sich wegen der Hürden nicht etablieren. Der Wettbewerb würde durch das gemeinsame Auftreten von Banken gegenüber Einzelhändlern behindert, so Kroes. Oft gebe es im Rahmen des gemeinsamen Marketings der Banken nur ein einziges Angebot an die Händler.
In Österreich beherrscht Europay Austria den Kredit- und Bankomatkarten-Markt. Das Unternehmen ist Vertragspartner von Mastercard und wickelte im Vorjahr bargeldlose Transaktionen in Höhe von 30,5 Mrd. Euro ab. Gesellschafter von Europay sind alle namhaften Banken des Landes. Bei Europay wollte man auf Anfrage der "Presse" zum Vorstoß der EU-Kommission nichts sagen.
Auch Österreich gehört zu Ländern mit Monopolstrukturen, heißt es in Brüssel. Vereinbarungen zwischen Banken gelten als klare Wettbewerbshürde. Kroes: "Die Banken nehmen dieses Geschäft sehr gerne wahr." Großbanken machten "mehr als 25 Prozent ihres Gewinns im Zusammenhang mit dem Kreditkartensystem".
Die EU-Kommission stellt mit ihren Vorwürfen das grundsätzliche Abrechnungssystem der Branche in Frage. Die Praxis, jede Zahlung mit einer Gebühr von bis zu 2,5 Prozent des Kaufpreises zu belasten, treibe die Einzelhandelspreise in die Höhe. Dies sei eine "künstliche Inflation", eine Art "Verbrauchssteuer" zugunsten der Banken. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen kämen zum Handkuss. Diese zahlten für die Abrechnungen über Kreditkarten um "bis zu 70 Prozent höhere Gebühren als große Betriebe".
In der EU wird pro Jahr 23 Mrd. Mal mit Plastikgeld gezahlt. Dabei werden 1350 Mrd. Euro umgesetzt. Die Wettbewerbsverzerrung verursacht laut Kommission einen Schaden in Milliardenhöhe.