Arbeit: Mehr Jugendliche, weniger Jobs für sie

Arbeitsmarkt. Die Zahl der Jugendlichen wächst, der Berufseinstieg wird schwieriger.

Wien. Auf dem Lehrstellenmarkt spürt man es schon seit einigen Jahren: Die Zahl der 15-Jährigen steigt derzeit jährlich. In zwei Jahren wird sie nach Berechnungen des Wirtschaftsministeriums einen vorläufigen Höhepunkt erklimmen und dann drastisch zurückgehen. Weniger 15-Jährige als jetzt dürfte es aber erst im Jahr 2011 geben. Der demografische Knick lässt also noch ein paar Jahre auf sich warten, bis er sich auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar macht.

Derzeit wollen starke Jahrgänge in den Beruf einsteigen. Allein in Niederösterreich erwartet man, dass zwischen 2000 und 2010 die Zahl der Jungen (15- bis 24-Jährige) um 14.500 oder acht Prozent steigt. Insgesamt dürfte die Wohnbevölkerung nur um vier Prozent wachsen, die der Älteren im erwerbsfähigen Alter (55- bis 64-Jährige) gar nur um zwei Prozent. Das gab Werner Homrighausen, niederösterreichischer AMS-Vorstand, am Donnerstag in Wien bekannt.

Die Zahl der beschäftigten Jüngeren wird in Niederösterreich aber um ein Prozent auf 82.700 zurückgehen, die der beschäftigten Älteren um 44 Prozent auf 59.200 ansteigen. "Ältere bleiben länger im Berufsleben, und für Jüngere wird der Einstieg in den Arbeitsmarkt schwieriger", stellt Homrighausen fest. Bis 2010 wird es in Niederösterreich gegenüber 2000 um 50 Prozent mehr arbeitslose junge Leute geben, nämlich 10.600.

Die Jugendarbeitslosigkeit ist nicht nur in Niederösterreich hoch: Laut Erhebung der Statistik Austria waren in ganz Österreich im zweiten Quartal 8,7 Prozent der Jugendlichen arbeitslos. Das liegt deutlich über dem Schnitt der gesamten Erwerbsbevölkerung (4,7 Prozent). Bei den über 55-Jährigen sind sogar nur 3,8 Prozent ohne Job. Damit ist Österreich im internationalen Trend: Laut einer OECD-Studie wächst in fast allen Industriestaaten die Jugendarbeitslosigkeit schneller als die Arbeitslosigkeit Älterer. Grund: Der Anteil der Personen mit geringer Ausbildung unter den Älteren ist in den vergangenen zehn Jahren deutlich zurückgegangen. Bei Bedarf greifen die Unternehmen lieber auf Erfahrene zurück.

In Niederösterreich und im Burgenland fließen 40 Prozent der Mittel der aktiven Arbeitsmarktförderung zu den unter 25-Jährigen, erzählten die beiden Landesgeschäftsführer Werner Homrighausen und Helene Sengstbratl. Doch noch immer wählten viele Jugendliche einen Lehrberuf, wo die Nachfrage sehr groß ist. Vor allem Mädchen lernen zu einem hohen Prozentsatz Friseurin, Verkäuferin oder Bürokauffrau - und brechen die Lehre mit 20 Prozent doppelt so oft ab wie Männer.

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