Wie misst man ethisches Engagement? Organisationen sind geteilter Meinung.
Wien. Wenn ein Unternehmen Gutes tut, macht es sich oft verdächtig: Handelt es sich um einen PR-Gag? Will man gar von etwas ablenken? Wenn Interessenvertreter Betriebe für ihr umwelt-, familien- oder kundenfreundliches Engagement auszeichnen, wird erst recht Kritik laut: "Ich sehe die Gefahr, dass das reine Projektdenken forciert wird", meint etwa der Unternehmensberater Leo Hauska. Frei nach dem Motto: Gestern waren wir ökologisch, jetzt sind wir zur Abwechslung einmal sozial.
Doch auch Hauskas Bedenken sind nicht frei von Interesse: Er ist Mitglied der "Wiener Gruppe für Integrationsmanagement und Gesellschaftliche Verantwortung", die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Firmen auf dem Weg zu mehr gesellschaftlicher Verantwortung zu begleiten. Und das, sagt Hauska, sei ein langer Prozess.
Roman Mesicek von "Respect Austria" weist die Kritik zurück. Hinter Respect Austria stehen die Industriellenvereinigung, die Wirtschaftskammer und NGOs wie die Caritas und das Rote Kreuz. Die Organisation vergibt alljährlich den "Trigos", eine Auszeichnung für kleine, mittlere und große Unternehmen, die vorbildliche soziale Projekte, Umwelt- oder Mitarbeiterprojekte vorzuweisen haben.
"Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass Betriebe, die sich glaubwürdig in einem Projekt engagieren, auch eine wirtschaftsethische Gesamtstrategie verfolgen", sagt Mesicek. Im übrigen achte man bei Umweltprojekten darauf, dass es sich nicht um rein ökonomische Maßnahmen handelt, die der Firma ohnehin wirtschaftliche Vorteile bringen.
Besteht diese Gefahr nicht auch bei Mitarbeiterprojekten? "Doch", räumt Mesicek ein. Projekte, hinter denen allein das "Human-Ressources-Management" steht - große Firmen haben oft solche Abteilungen, deren Aufgabe es ist, Mitarbeiter ihrem Potenzial entsprechend zu fördern - hätten kaum Chancen, mit dem "Trigos" ausgezeichnet zu werden. "Es muss ein Projekt sein, das über das Unternehmensziel hinausgeht."
Derzeit wird an einem ISO-zertifizierten CSR-Leitfaden gearbeitet, um alle Betriebe nach einheitlichen Kriterien bewerten zu können. Einem solchen Unterfangen steht Mesicek skeptisch gegenüber. "Das würde die Vielfalt und die Kreativität der Unternehmen zerstören", meint er.
Der Leiter der ISO-Working Group "Social Responsibility", der Österreicher Martin Neureiter, weist Mesiceks Kritik zurück: Gewisse Mindestkriterien sollten alle Unternehmen erfüllen. Das schließe Projekte, die über diese Kriterien hinausgehen, nicht aus.
Unternehmen, die den Trigos-Preis erhalten wollen, können ihre Projekte noch bis 10. März einreichen. Nähere Informationen unter www.trigos.at.