Korruption: Firmen aus Indien und China bestechen gerne

Österreichische Exporteure genießen weltweit den Ruf, selten auf Bestechung zurückzugreifen.

BRÜSSEL. Österreichische Firmen gehören im internationalen Vergleich zu den Top Fünf der am wenigsten korrupten Exportunternehmen. In einer Untersuchung der Anti-Korruptionsorganisation "Transparency International", die gestern, Mittwoch, in Brüssel präsentiert wurde, scheint Österreich hinter der Schweiz, Schweden und Australien an vierter Stelle der weitgehend "sauberen" Firmen auf. Kanada belegt den fünften Platz, dahinter finden sich Großbritannien, Deutschland, die Niederlande und die USA. Als korrupteste Unternehmen am anderen Ende der Liste wurden Firmen aus Taiwan, der Türkei, Russland, China und Indien (letzter Platz) genannt.

Der "Bribe Payer Index" (BPI) basiert auf einer Umfrage unter rund 11.000 Geschäftsleuten in 125 Staaten. Dabei äußerten sich die Befragten zur Bereitwilligkeit der Firmen zur Bestechung von öffentlichen Amtsträgern und zum Missbrauch von Macht für eigene Zwecke.

Auch die Unternehmen der Länder an der Spitze der Liste seien allerdings nicht frei von Korruption, sagte ein Sprecher der Nichtregierungsorganisation. "Korruption ist überall zu beobachten." Die Unterschiede zwischen den beobachteten Unternehmen bewiesen aber zumindest, dass auch erfolgreich exportierende Firmen nicht auf Bestechung und Machtmissbrauch angewiesen seien.

Laut der Untersuchung verhalten sich die Firmen in verschiedenen Kontinenten unterschiedlich: So schnitten etwa Italien und Frankreich bei Befragungen in Afrika wesentlich schlechter ab als in Europa. Nur Unternehmen aus China und Indien wurden von afrikanischen Geschäftsleuten korrupter als italienische Firmen einschätzt. Japanische Unternehmen, von denen in Europa ein weitgehend von Bestechung freies Bild gezeichnet wird, dürften indessen bei Geschäften außerhalb Europas wesentlich öfter zu Bestechungsversuchen greifen. Generell gilt der Trend, dass die Standards der Geschäftspraktiken in einkommensschwachen Ländern besonders tief sinken. Wo Strafen für illegale Bestechungsverfahren drohen, fallen die Versuche derselben Firmen erwartungsgemäß seltener und vorsichtiger aus.

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