Gehälter: Osteuropa holt langsam auf

Einkommen. Bis 2040 verkleinert sich der Unterschied, danach wird er wieder größer.

BRÜSSEL/WIEN. Der Aufholprozess der neuen EU-Mitgliedstaaten geht viel zäher voran als angenommen. Derzeit liegt das Pro-Kopf-Einkommen in den mittel- und osteuropäischen Ländern bei 50 Prozent des Niveaus der 15 "alten" EU-Staaten. Die Differenz verkleinert sich sukzessive. Laut einer neuen Studie der EU-Kommission wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf 2010 schon 59 Prozent der EU-15 ausmachen, 2030 dann 80 Prozent, zehn Jahre später 82 Prozent.

Der Hauptgrund für die stetige Angleichung der Pro-Kopf-Einkommen in den nächsten Jahrzehnten ist die Steigerung der Produktivität: Bei der Wertschöpfung pro Arbeitnehmer liegt Osteuropa derzeit im Durchschnitt bei 56 Prozent des westeuropäischen Niveaus. In 25 Jahren wird die Produktivität auf rund 80 Prozent der "alten" EU gestiegen sein. Ein Land könnte es sogar schaffen, ganz aufzuschließen: nämlich Slowenien - das jetzt schon besser als Portugal liegt. Dem westlichen Niveau sehr nahe werden auch Lettland und Tschechien kommen. Parallel dazu steigt in Osteuropa die Kapital-Akkumulation - soll heißen: Die Betriebe werden technologisch immer besser und damit produktiver.

Um das Jahr 2040 herum geht der Aufholprozess der Osteuropäer beim Pro-Kopf-Einkommen aber zu Ende: Ab dann wird der Einkommensunterschied zwischen Ost und West wieder zunehmen. Der Grund dafür ist, dass die Gesellschaften in den meisten Ländern Mittel- und Osteuropas noch schneller altern als im Westen. Durch die schrumpfende Beschäftigung reichen die Produktivitätssteigerungen nicht mehr aus, um den Angleichungsprozess aufrechtzuerhalten. Von der Überalterung am stärksten betroffen sind die Slowakei, Polen, Tschechien und Ungarn. Aber auch in Slowenien und in den baltischen Staaten gibt es ähnlich unerfreuliche Entwicklungen wie in den am schnellsten alternden Gesellschaften der EU-15, nämlich Italien, Griechenland und Portugal.

Eine Konsequenz dieser Trends: Die Entwicklung des Wirtschaftswachstums wird sich um das Jahr 2035 herum umkehren. Derzeit wächst die Wirtschaft in Osteuropa mehr als doppelt so schnell wie im Westen.

Im Jahr 2050 wird es genau umgekehrt sein: In den EU-15 werden die Wachstumsraten mit rund 1,6 Prozent etwas niedriger sein als derzeit. In Osteuropa hingegen wird der BIP-Zuwachs von derzeit über vier Prozent auf unter ein Prozent einbrechen. Dann ist der Westen wieder die Boom-Region Europas - wenn auch auf sehr bescheidenem Niveau.

Österreich hält sich bei diesen Entwicklungen ganz gut: Das Pro-Kopf-Einkommen wird zwar relativ zum EU-Niveau leicht sinken, es wird aber bis 2050 deutlich über dem Durchschnitt bleiben. Die größten Wohlstandsgewinne in den nächsten Jahrzehnten werden für Luxemburg, die britischen Inseln und Skandinavien erwartet. Für die gesamte EU-25 wird das Pro-Kopf-Einkommen bis 2050 real um jährlich 1,5 Prozent steigen.

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