Uni-Forscher als Firmenchefs

Technologie-Transfer. In Österreich verschimmeln noch immer viele Forschungsergebnisse in den Schubladen. Andere Länder zeigen, wie das Wissen besser verwertet wird.

WIEN/TEL AVIV. Die Erfinder von KiwiVision versprechen viel: Mit ihrem System wollen sie die Video-Überwachung - ein seit den Terroranschlägen in den USA und Europa stark boomender Bereich - revolutionieren. Per ausgefeilten Computer-Programmen sollen in Video-Bildern automatisch bestimmte Ereignisse erkannt werden - und automatisch Alarm ausgelöst werden. Im einfachsten Fall etwa dann, wenn sich wer unbefugten Zutritt verschafft. Mit dem System kann aber auch die Bewegung von Personen verfolgt werden. Dazu müssen die Objekte vorher in Echtzeit identifiziert, klassifiziert und verfolgt werden - was technologisch nicht trivial ist.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Automatische Überwachungs-Systeme sind rund um die Uhr einsatzfähig, ermüden nicht, handeln nicht fahrlässig - und theoretisch kann eine unbegrenzte Zahl von Kameras ausgewertet werden.

Interessant ist aber nicht nur das Produkt der Firma KiwiBlue, sondern auch deren Entstehungsgeschichte. Diese ist nämlich für österreichische Verhältnisse alles andere als selbstverständlich: KiwiBlue ist eine Ausgründung der TU Wien. Und zwar im Rahmen des Universitären Gründerservice "Inits". Diese Initiative, die im Jahr 2002 gestartet wurde, folgt einer altbekannten Erkenntnis, dass in den Universitäten zwar ausgezeichnete Forschung stattfindet, doch viel zu viel davon in den akademischen Schubladen "verschimmelt" und nicht zu einem Produkt weiterentwickelt wird - weshalb auch die Wirtschaft nicht angekurbelt wird und keine neuen Jobs entstehen.

Für österreichische Verhältnisse ist Inits bisher erfolgreich: In den vier Jahren des Bestehens wurden zwölf Unternehmen aus der Uni Wien und der TU Wien ausgegründet. Experten begeben sich aktiv auf Suche nach interessanten Forschungsergebnissen, die sich kommerziell verwerten lassen, und geben als eine Art Inkubator Hilfestellung bei der Firmengründung. Bisher wurden von Inits 45 Projekte betreut.

Das klingt zwar ganz gut, ist im internationalen Vergleich aber geradezu mickrig. Vor allem, wenn man als Maßstab den Weltmeister in Sachen Technologie-Transfer heranzieht: das israelische Weizmann-Institut. Dort wurde schon im Jahr 1959 die Technologie-Transfer-Firma Yeda gegründet - sie ist weltweit das Vorbild für solche Einrichtungen. Yeda hält für das Weizmann-Institut beispielsweise Lizenzen für zwei "Blockbuster"-Medikamente gegen Multiple Sklerose. Oder die Rechte für eine Verschlüsselungskarte für Fernsehprogramme, die nun von Branchenriesen wie Fox oder Sky vermarktet wird. Die Lizenzen und Firmenbeteiligungen liefern alljährlich hohe Millionenbeträge an die Universität ab. Diese sind ein wesentlicher Beitrag zur Finanzierung - natürlich neben den immensen Spenden, die von israelischen Unis eingeworben werden (siehe unten stehenden Artikel).

Jährlich meldet Yeda 70 bis 80 neue Patente an, zwei bis sechs Firmen werden alljährlich gegründet. Insgesamt hält Yeda sage und schreibe 1700 Patente. Das sind Zahlen, von denen auch die Elite-Unis in den USA wie Harvard, MIT oder Stanford nur träumen können. Neben exzellenter Forschung ist einer der Schlüssel für den Erfolg, dass die Erfinder 40 Prozent der Erlöse bekommen. Das ist ein hoher Anreiz, um neben wissenschaftlichen Publikationen auch an die Verwertung zu denken.

Deshalb ist in Israel die Nutzung von Forschungsergebnissen durch die Forscher gang und gäbe. Selbst Spitäler machen das. Das Hadassah-Krankenhaus in Jerusalem beispielsweise hat zu Jahresbeginn sogar eine Beteiligungsgesellschaft an die Börse gebracht, um Kapital für die Weiterentwicklung der Forschungsergebnisse zu lukrieren. Dagegen nehmen sich etwa die Versuche des Wiener Medizin-Universität, das Know How zu Geld zu machen, klein aus. Immerhin: Wiener Ärzte übernehmen nun - gegen bares Geld - die medizinische Leitung des "Prince Court Medical Centres" in Kuala Lumpur (Malaysia).

Ausgründungen von österreichischen Universitäten gab es auch früher. Bloß hatten die Unis bisher nichts davon. Das beste Beispiel ist der Wiener Impfstoffentwickler Intercell, der nach Abschluss wichtiger Tests nun vor der Zulassung des ersten Produkts steht. Vor acht Jahren, als Alexander von Gabain seinen Professor-Job an den Nagel gehängt hat und Unternehmer wurde, hatte die Uni noch keine rechtliche Möglichkeit, sich an einer Firma zu beteiligen. Die Folge: Nun kann die Uni auch nicht an den ab 2007 erwarteten Gewinnen mitnaschen.

Zudem wurden früher Erfindungen von Uni-Forschern nicht durch den Dienstgeber aufgegriffen. Aus den Patenten und den Lizenzerlösen konnte die Uni folglich auch keinen Nutzen ziehen. Zumindest bis vor kurzem: Erst mit dem neuen Universitätsgesetz 2002 wurde das möglich. Und das wird nun zunehmend genützt.

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