Coppola: "Erfolg, das ist Leidenschaft"

Francis Ford Coppola. Der Pate des "Paten" über Erfolg, Motivation und den Mut zur Widerrede.Wein & Hotellerie. Mit den Erlösen anderer Geschäftsfelder finanziert Coppola seinen neuen Film.

WIEN. Der Mann hat Nerven. "Manchmal bin ich arm. Manchmal bin ich reich", sagt er - und man nimmt ihm ab, dass er in beiden Situationen entspannt bleibt. Und er hat Mut. Wer sonst würde (noch dazu an seinem Hochzeitstag) als Stargast auf einem Podium mit verschieden farbigen Socken auftreten? Francis Ford Coppola tat es auf der Com.sult, dem dritten Internationalen Management und Consulting Kongress im Haus der Industriellenvereinigung, mit Würde und Charme.

Zum Thema "How to Build a Trademark" fiel ihm etwa Marlon Brando ein - ein Mann wie eine Marke. Der hatte ihn einst mit blonden Gel-Haaren, die er umständlich zu einer Tolle formte, empfangen, hatte sich - in eine japanische Robe gekleidet - ein Taschentuch in die Backen gestopft ("Er hat ausgesehen wie eine Bulldogge") und leise murmelnd den italienischen Käse, Salami und Zigarren verkostet, die Coppola mitgebracht hatte. Brando ignorierte den damals eher unbekannten Regisseur - und erhielt die Rolle des Don Vito Corleone im späteren Welterfolg "Der Pate".

Als Regisseur der "Diktator"

Coppola kam mit Brando gut zurecht, wiewohl diesem Trubel und laute Geräusche ein Gräuel sind. Nicht gerade einfach am Set. "Da war eine Katze, die habe ich ihm gegeben. Und er hat sie gestreichelt." Eine der berühmten Szenen des Films. Und ein Lehrstück für Mitarbeiter-Motivation: "Als Regisseur ist man im Filmgeschäft der Diktator. Da müssen sie Schauspieler lieben und verstehen. Sie als Manager wollen ja auch, dass ihnen die Mitarbeiter zur Verfügung stehen, dass sie in der Arbeit lebendig werden." Was aber tun, wenn einer schwierig ist? "Das ist ein Zeichen von Angst. Nicht nur bei Schauspielern."

Der Erfolg gab Coppolas Entscheidung pro Brando Recht. Was aber sind dessen Erfolgsfaktoren? "Er war sehr interessant. Er war ein exotischer Typ. Und es ist die Art, wie er dachte: Er folgte seinem Instinkt, entschied aus dem Bauch heraus. Fast wie ein Kind." Das ist für den weißbärtigen Genussmenschen mit Wohnsitz in den Weinbergen von Napa Valley ein Qualitätssiegel: "Die größten Talente sind die Intuition, das Herz und der Instinkt. Kinder agieren intuitiv, sie sind mit ihren Herzen in Einklang. Ich bin in vielen Dingen Kind geblieben." Wie Picasso. Oder Brando. "Wir müssen uns die Beziehung zum Herzen erhalten - dann werden wir uns selten verlaufen."

Auch wirtschaftlich. Als vor einem Jahrzehnt im Filmgeschäft die Eiszeit ausbrach - plötzlich gab es Rankings, in denen aufgelistet war, welcher Film wie viel Geld eingespielt hatte -, fühlte sich der Film-Magier in seiner Welt nicht mehr zu Hause.

Also richtete er seine Aufmerksamkeit auf andere Dinge, die er liebte. Den Wein. Belize. Und siehe da: Aus der Coppola-Niebaum-Kellerei, für deren Aufbau der gerade wieder einmal finanziell am Boden liegende Coppola sich 20.000 Dollar bei seiner Mutter ausleihen musste, wirft schöne Gewinne ab. Das "Häuschen" im sonnigen Belize hat sich zum gut gehenden Ressort entwickelt.

"Wollte nie in die Filmindustrie"

Coppolas Credo als Unternehmer: "Erfolg, das ist Liebe und Leidenschaft." Inzwischen laufen die Geschäfte so gut, dass er, der ein Jahrzehnt als Regisseur pausierte, nun Filme macht, ohne auf die Erbsenzähler zu achten. "Ich wollte nicht in der Filmindustrie sein. Jetzt verdiene ich woanders so viel Geld, dass ich Filme mache, die ich selber finanzieren kann."

Dabei hat es nicht immer nach Erfolg ausgesehen. So wollte etwa Paramount von Brando eine Kaution verlangen, um eventuelle Verluste abzudecken. Und die 20.000-Dollar-Beratung für den Weinhandel endete mit dem Rat, Coppola solle den Wein um sechs Dollar die Flasche abverkaufen und das Geschäft sein lassen. "Jetzt kenne ich die Berater", lacht er. Zehn Dollar pro Flasche bezahlen die Leute. "Ich würde wieder einen Konsulenten fragen - und wieder das Gegenteil machen."

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