CSR: Mit gutem Gewissen

Soziale Verantwortung ist ein seltenes Gut.

WIEN (pac). Hat die Wirtschaft ein Gewissen? Erst zwang sie der Leistungsdruck zum möglichst effizienten Ausnutzen ihrer Ressourcen - ohne Rücksicht auf Verluste. Mittlerweile kommen der Leitgröße Ökonomie auch andere Variablen in die Quere, die nötig sind, um den Erfolg zu garantieren: Für große Unternehmen sind ökologisches Bewusstsein und soziales Engagement - inklusive dessen Transport an die Öffentlichkeit - heute ein Muss. Der Markt drängt den Wirtschaftstreibenden das Gewissen quasi auf.

Nun präsentierte das Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte eine Studie, die recherchierte, wie wichtig österreichischen Unternehmen diese Maßnahmen mit dem Stempel "Corporate Social Responsibility" (CSR, Soziale Verantwortung eines Unternehmens) wirklich sind: Alle 310.981 bei der Wirtschaftskammer registrierten Unternehmen wurden von dem Institut unter die Lupe genommen. Weniger als ein Tausendstel (0,08 Prozent, das entspricht zirka 250 der untersuchten österreichischen Unternehmen) betreiben CSR. Und gar nur ein Achtel davon (0,01 Prozent, 43 Unternehmen) betreiben solche, die auch menschenrechtlich relevant ist.

Karin Lukas, Autorin der Studie, zählt dazu etwa Antidiskriminierungsmaßnahmen oder die Sorge um Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz innerhalb des Betriebs. Unternehmensextern stehen zum Beispiel der Handel mit "fair" produzierten Produkten sowie armutsmindernde Maßnahmen ganz oben auf der Liste der CSR-Aktivitäten.

Insgesamt prägen die Studie mehrere Großunternehmen (vornehmlich Industrie). Nach wie vor assoziiere man menschenrechtlich relevante CSR hauptsächlich mit "Nicht-EU-Ländern", so Lukas. Das Informationsdefizit könnte dadurch ausgeglichen werden, die heimische Wirtschaft stärker in internationale Initiativen wie "Global Compact" einzubinden. Letztere ist eine weltweite Abmachung der UNO mit Unternehmen, die sich freiwillig verpflichten, soziale und ökologische Standards einzuhalten.

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