Partnerschaft mit Tschechien, Slowakei, Ungarn und Slowenien innerhalb der EU wird abgelehnt.
WIEN. Die Mitgliedschaft in der Europäischen Union hat das österreichische Inseldenken nicht aufgelöst - im Gegenteil. Auf der einen Seite möchten die Österreicher gegenüber dem Westen neutral bleiben, auf der anderen Seite scheuen sie vor einer neuen Partnerschaft mit den mittel- und osteuropäischen Nachbarstaaten zurück. 43 Prozent lehnen laut einer Umfrage der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik eine engere Zusammenarbeit mit Ungarn, Tschechien, der Slowakei und Slowenien innerhalb der EU ab. Lediglich 38 Prozent sind dafür (Rest: unentschieden).
Dies ist umso überraschender, als sich die Bundesregierung seit Jahren um eine engere Zusammenarbeit mit diesen Ländern im Rahmen einer "Regionalen Partnerschaft" bemüht.
Das Stimmungsbild passt allerdings auch mit der Einstellung der Österreicher zur Aufnahme neuer Mitgliedstaaten zusammen. So befürwortet eine klare Mehrheit lediglich die Aufnahme von reichen EU-Ländern wie Norwegen und der Schweiz. Einzige Ausnahme ist Kroatien, für das die heimische Bevölkerung relativ große Sympathien hegt. Die restlichen Länder des Westbalkans - wie etwa Bosnien-Herzegowina oder Mazedonien - werden als künftige EU-Mitglieder abgelehnt. Ein klares Nein gibt es auch zur Ukraine, zu Serbien und der Türkei.
Die Einstellung der Österreicher gegenüber dem eigenen EU-Beitritt dürfte sich laut der Umfrage von einer emotionalen Ablehnung zu einer pragmatischen Sicht gewandelt haben. So sieht heute eine Mehrheit die wirtschaftlichen- und geopolitischen Vorteile des Beitritts. Nachteile werden bei der Sicherheit empfunden. Nur jeder vierte ist für den Austritt.
Große Unterschiede bei der EU-Stimmung gibt es zwischen den Anhängern der einzelnen Parteien. Während ÖVP- und Grün-Wähler mit deutlicher Mehrheit (88% bzw. 85%) für einen Verbleib in der EU sind, tritt eine Mehrheit der FPÖ-Wähler (56%) für den Austritt ein. SPÖ-Anhänger sind mit 69 Prozent für den Verbleib in der Union.