Mobilkom-Chef Nemsic setzt hohe Erwartungen an EU-Präsidentschaft.
WIEN. "Österreich kann die Annäherung der Balkan-Länder an die EU um fünf Jahre beschleunigen", ist Telekom Austria Vorstand und Mobilkom-Chef Boris Nemsic überzeugt. "Für die Wirtschaft wären diese fünf gewonnenen Jahre ein unheimliches Kapital." In einem Gespräch mit der "Presse" betonte der Telekom-Manager denn auch seine hohe Erwartungen an das Treffen der EU-Außenminister am Freitag und Samstag in Salzburg, bei dem die Zukunft der Westbalkan-Länder und ihr Verhältnis zur Europäischen Union auf der Tagesordnung stehen wird.
Für Nemsic ist Österreich "ein glaubwürdiger Vermittler" am Balkan. "Österreich war eines der ersten Länder, das mit Investitionen in diese Region hineingegangen ist. Und das war zu einem Zeitpunkt, da andere noch das Bild eines Kriegsgebiets hatten."
Serbien-Montenegro, Bosnien-Herzegowina oder Mazedonien könnten nur durch einen Freund an die EU herangeführt werden. "Das hat schon mit Kroatien geklappt". Er ist überzeugt, dass die Vision eines EU-Beitritts und die positive Wirtschaftsentwicklung der Schlüssel dafür sein werde, die politischen Probleme der Balkan-Länder zu lösen. "Die Menschenrechte und politischen Standards werden viel leichter in einer gesunden wirtschaftlichen Umgebung umgesetzt." Die Wirtschaft könnte sogar zum Vehikel anderer wichtiger Standards werden. "Für Investoren", so der Mobilkom-Chef, sei vor allem wichtig, "dass sie wissen, dass die Rechtsnormen, die Steuerbestimmungen in diesen Ländern in absehbarer Zeit funktionieren werden."
Das Faktum, dass eine Mehrheit der österreichischen Bevölkerung den EU-Beitritt aller Westbalkan-Länder mit Ausnahme Kroatiens ablehnt, kommentiert Nemsic zurückhaltend. "Das ist vielleicht von der Türkei-Frage überschattet" und somit von der allgemeinen Stimmung zur EU-Erweiterung. Sobald nach den vielen Bemühungen auch ein positives Echo aus diesen Ländern an Österreich zurückkommt, werde sich die Stimmung aber auch in der Bevölkerung verbessern.
Nemsic: "Bei Rumänien und Serbien-Montenegro sind wir noch nicht über dieser Kippe der positiven Wahrnehmung."