Machistische Trophäenjagd

Lassen wir das Kopfrechnen lieber: 1999, als Bloch-Bauer-Erbin Maria Altmann um die Restitution der fünf Klimt-Gemälde aus der Österreichischen Galerie zu kämpfen begann, wurden die drei Landschaften und zwei Adele-Porträts noch auf zwei Milliarden Schilling (145 Mio. Euro) geschätzt. Rund 260 Mio. Euro wurden heuer für sie gezahlt.

Die Erben können sich zu Recht freuen. Und die verantwortlichen Politiker quer durch Jahrzehnte und Parteien, die diesen Verlust zu verantworten haben, sollten sich ebenso zu Recht schuldig fühlen - was niemand tun wird, so unsympathisch unfehlbar, wie sich heute alle gerieren.

Doch sollten sich auch die Erben, die Hauptwerke aus den Museen zurückerhalten, ihrer Verantwortung bewusst sein. Schließlich sind, so enorm stark wie der Kunstmarkt derzeit ist, mit diesen jahrzehntelang unerreichbar gewesenen Bildern relativ leicht Rekordpreise zu erzielen. Aber wer kann sich diese leisten? Nur einige wenige Privatpersonen, deren Absichten längst nicht alle so gemeinnützig sind wie die von Ronald Lauder, der mit der "Neuen Galerie" in New York ein eigenes Museum betreibt. Klimts "Goldene Adele" und Kirchners "Straßenszene" werden dort also wenigstens in nächster Zukunft öffentlich zu sehen sein.

Die restlichen vier Klimt-Gemäl de aber sind in bisher anony me Hände entschwunden - die nicht immer die sanftesten sind, wie man an Picassos "Der Traum" feststellen musste, in den sich gerade der Ellbogen des Besitzers, Casino-Mogul Steve Wynn, bohrte. Warum sich Altmann wie berichtet also derart freut über die unbekannten "neuen Zuhause", wirkt unter diesen Umständen ein wenig befremdlich.

Bleibt die Hoffnung, dass Marina Mahler mit dem Lieblingsbild ihrer Großmutter Alma, Munchs "Mondlandschaft", liebevoller, vor allem aber kontrollierter umgeht. Und nicht sofort zur machistischen Trophäenjagd unter Milliardären freigibt.

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