Jetzt ist es also so weit: Adolf Froh ners große Bildwand zur Entwick lung Europas in der U-Bahnstati on Westbahnhof wird vor der (sozialen) Entwicklung Europas geschützt. Vor all jenen suspekten Subjekten, die bevorzugt hier jahrelang gestrandet sind - und ihre wie auch immer gearteten Botschaften hinterließen. Kein anderes Kunstwerk im öffentlichen Raum wurde in Wien wohl derart aktiv wahr- und angenommen.
Aber die Verkehrsbetriebe wollen saubere Kunst in sauberen Stationen. Eine Glasbarriere wird in Zukunft wohl dafür sorgen, dass die Leute hier nur mehr blicklos vorbeieilen.
Schade. Einst war Frohner selbst Zerstörer, Matratzen waren es, die in den 60er-Jahren daran glauben mussten. Und mit Mühl ließ er sich zur Geburtsstunde des Wiener Aktionismus einmauern. Jetzt zieht es ihn wieder hinter Mauern, in den Garten des Minoritenklosters Krems-Stein, wo NÖ-Landeshauptmann Erwin Pröll ihm ein "Frohner-Forum" errichten will.
Wie schwarz die Rebellen von einst doch plötzlich werden, wenn Sirenen der Verewigung locken: Nitsch (Mistelbach), Rainer (Baden), Frohner, sie alle bekommen in Niederösterreich kommode kleine Namensweihestättchen gestiftet - und müssen sich tatsächlich von all jenen Werken trennen, die bisher von Sammlern und Museen nicht angekauft wurden.
So recht weiß man also nicht, ob man sich ärgern oder freuen soll, dass die großen Damen der Nachkriegskunst bei dieser kleinmütigen Personenverkultisierung nicht zum Zug kommen. Maria Lassnig, Valie Export oder die 2002 verstorbene konkrete Malerin Helga Philipp: Ihre zum Verkauf stehende Jahrhundertwende-Villa in Ternitz/NÖ würde sich für ein lauschig subventioniertes Kulturzentrum prächtig anbieten. Wie Sie ja sicher wissen, Herr Landeshauptmann.