Kunstlicht: Die blassgrünen Wortzerhacker

E
in erbsengrüner Kreis in einem blassgrünen Quadrat: Falls Sie es noch nicht bemerkt haben, hinter diesem Logo versteckt sich seit neuestem das Kunsthistorische Museum. Mit dieser penetranten österlichen Grasesfrische will man die leicht angegraute Besucher-Demografie auffrischen und das anscheinend abgetestet angestaubte Image munter dem Frühjahrsputz opfern.

Und doch, trotz all dieser netten Vorsätze, wirkt dieses simple grüne KHM-Zeichen mehr wie das gutmenschliche Gütesiegel einer Bio-Genossenschaft. Dem KHM vielleicht verliehen für streng kontrollierte Altmeisterhaltung. Durch und durch ökologischen Leihverkehr. Oder gar garantiert nachhaltige (Lein-)Ölverwertung?

Wie auch immer. An dieses so unerträglich gut gelaunte wie nichtssagende Symbol für die gerade für Prunk und Erhabenheit geliebte Institution wird man sich erst gewöhnen müssen - wenigstens auf der Homepage dürfen sich Nostalgiker noch an dem alten gediegenen Buchstaben-Trio, eingeschrieben in fragile Leonardo-Geometrien, erbauen.

Die ebenfalls neu gestartete, in ihren Details manchmal richtiggehend kokett selbstironische Plakat-Serie des Kunsthistorischen Museums ist dagegen weniger aufregend - zumindest den frechen Stil kennen wir bereits von der "Barock-lebt-Werbung" des Liechtenstein Museums.

Was uns beim Relaunch der Corporate Identity des KHM allerdings freundlicherweise erspart blieb, sind die gerade so beliebten, völlig unsinnigen und unmotivierten Wortzerhackungen: das schon für den zweiten Anlauf - Start 6. April - relaunchte Logo der Wiener Kunstmesse "Viennafair". Das ist ohnehin ein unnötig komplizierter Name für eine Publikumsveranstaltung, den man deutschen Kollegen geduldig jedes Mal buchstabieren muss. Nun aber wird er im Gedruckten noch weiter verhunzt: Vien/nafair steht da bewusst falsch abgeteilt in einer Anzeige. Wie/nn/afa/ir auf der Homepage. Und auf den Plakaten: Vie/nnaf/fair.

Wer bitte aus der von der Messe angepeilten Zielgruppe derer, die ja angeblich beim Anblick von Galerien sonst in panische Schwellenangst ausbrechen, soll durch derart verkopfte Verschlüsselungen interessiert werden, und zwar so sehr, dass er/sie von Neugierde getrieben auch noch ins Messe-Zentrum fährt? Wir werden es ja sehen. Und vielleicht entschließt sich das Kunsthistorische Museum zwecks ähnlicher Zielgruppen-Affinität das nächste Mal auch - wie schon das Filmfestival diago/nale oder der Galerienrundgang Aktue/lle/Kunst in Graz - für einen witzlosen zerteilten Aufdruck, etwa Kuns/thistor/isches.

L
ogomäßig gespannt darf man wohl auch sein, wenn Ende des Jahres Agnes Husslein als neue Direktorin in die "Österreichische Galerie Belvedere" einrauscht. Denn dieser elendslange Name, ganz ehrlich, ist der schleichende Nerventod jedes platzabhängigen Journalisten. Das Problem ist nur: wie abkürzen? "ÖGB"? Wohl doch nicht. Das klingt nicht einmal nach Karibik, wenn man eine Gauguin-Retrospektive bewerben möchte. Das verdächtig an Kebab-Stände erinnernde "ÖGBel" dagegen wäre für das Schloss Prinz Eugens, einst Sieger über die Türken, allerdings fast schon wieder genial.

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