Sonntag Netrebko. Montag Ghe orghiu. Zwischendurch Inten danten wichtiger Opernhäuser. Fast könnte man meinen, Wien sei noch der Nabel der Musikwelt. Katastrophenszenarien anderswo: Berlin droht, sein größtes Opernhaus in einen Stagione-Betrieb umzuwandeln. Das wäre der Anfang vom Ende der Institution "Deutsche Oper". Finanziell gesehen: Wer ein Ensemble entlässt, um für jede Produktion sämtliche Sänger neu zu verpflichten, verteuert den Betrieb. Außerdem verzichtet er auf Einnahmen, wenn er statt 300 nur 100 Aufführungen spielt. Vor allem aber läuft die Umwandlung eines Repertoire-Hauses in einen Stagione-Betrieb, der zwischen den Aufführungen der laufenden Produktion geschlossen hält, der mitteleuropäischen Kulturtradition zuwider.
Es ist eines, dem Wiener Musikleben mit dem Theater an der Wien einen attraktiven Stagione-Spielort zur Bereicherung zu schenken. Es ist etwas anderes, die gewachsenen Strukturen eines Opernhauses zu zerschlagen. - Einwand aus Wien: Ist nicht der amtierende Operndirektor als Generalsekretär an der Seite Eberhard Waechters angetreten mit dem Schlachtruf: Zurück zum Repertoire, zum Ensemble alter Prägung?
Lorin Maazel ging Anfang der Achtzigerjahre daran, an der Staatsoper Opern in Serie zu spielen, um damit jeder Aufführung genügend Proben und damit künstlerische Konsistenz zu sichern. Er verabschiedete sich rasch. Das sogenannte "Blocksystem" aber blieb. Wenn es früher vorkam, dass ein und dasselbe Werk zweimal in derselben Woche auf dem Programm stand, durfte man sicher sein, zumindest in einigen wesentlichen Partien unterschiedliche Besetzungen erleben zu können.
Dergleichen ist völlig unrealisierbar geworden. Das ehrlich dazuzusagen, wenn von Repertoire-Theater die Rede ist, sollte man von einer Intendanten-Runde verlangen dürfen. Abgesehen davon gewinnt der Opernbesucher oft genug den Eindruck, dass trotz Semi-Stagione-Systems viel zu wenig probiert wird, als dass die künstlerische Qualität - jenseits von Star-Gastspielen - rechtfertigen würde, eine Produktion fünfmal hintereinander zu zeigen.
Diese Qualitätsfrage in den Griff zu bekommen, bedürfte es einer gründlichen Revision, ja einer Revolutionierung der internen Strukturen, nicht nur der künstlerischen. Stattdessen verhandelt man in Wien hinter den Kulissen über eine weitere Verlängerung des Vertrags des dann 18 Jahre amtierenden Staatsoperndirektors. Und schiebt abschreckende Pseudo-Diskussionen wie jene über die Bestellung des exzentrischen Tenors Neil Shicoff (!) zum Opernchef als abschreckendes Schutzschild vor. Müssen wir demnächst über ein näher liegendes Thema als den Verfall der Deutschen Oper Berlin reden?