Verhüllt das 20er Haus, schwarz!

Wenig ist für das Wiener Architekturverständnis enthüllen der als die momentane Verhüllung des Ringturms durch einen megaloman aufgeblasenen Frauenakt des Malers Christian Ludwig Attersee. Wiens erstes, in seiner Schlichtheit bestechendes Hochhaus von Erich Boltenstern symbolisierte in den 50er-Jahren den Aufbruch in die Moderne. Jetzt wurde es mit einem feurigen Apfelhintern brachialbehübscht - und in Radiosendungen dürfen Passanten sich freuen, dass sie endlich "diese hässliche Fassade" nicht mehr sehen müssen. Es ist zum Heulen.

Was wohl auch MAK-Chef Peter Noever tat, als seine Außenstelle, das Schindler-Haus in L. A., eine weitaus internationalere Moderne-Ikone, von banalen neuen Wohnblöcken fast erstickt wurde. Im MAK werden jetzt einige (utopische) Ideen amerikanischer Architekturstudenten gezeigt, die das Schindler-Haus u. a. durch Vogelschwärme abschirmen wollen.

Dieses Engagement würde ich mir allerdings auch von Wiener Architekturstudenten wünschen. Denn dem "20er Haus", dem am Rande des Südbahnhofs dahin vegetierenden Weltausstellungspavillon Karl Schwanzers von 1958, droht ein ähnliches Schicksal. Der fragile Bau wird sich gegen eine Front mindestens 50 Meter hoher Hochhäuser behaupten müssen, die neben dem neuen Hauptbahnhof errichtet werden sollen. Von einer erträumten Anbindung an den Knotenpunkt keine Rede bisher. Das lässt Tragisches vermuten. Am besten also vielleicht auch Verhüllen. Schwarz.

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.