Wie uns Oper teuer werden kann

Weg mit den Subventionen, sagt Sena Jurinac, bewusst provokant im nebenstehenden Interview. Es ist nicht das erste Mal, dass eine Vertreterin des einstmals bedeutenden Wiener Sängerensembles eine so scheinbar paradoxe Forderung erhebt. Auch Gundula Janowitz meinte - auf die Krise der Oper angesprochen - einmal bündig, es sei einfach "zu viel Geld da". In Zeiten, in denen immer wieder die Unfinanzierbarkeit des Genres Oper beschworen wird, klingen solche Sätze geradezu wie Verrat. Und doch enthalten sie mehr als ein Körnchen Wahrheit, besieht man, wofür im Musiktheater Geld ausgegeben wird.

Abgesehen von den explodierenden Personalkosten in Kolossen wie den Bundestheatern fließt ein Gutteil des freibleibenden Budgets offenkundig in die Erstellung gigantomanischer Bühnenbilder. Es war das Musical, das die letzten Steigerungsmöglichkeiten ausgenutzt hat. Im Theater an der Wien übertünchten aberwitzige technische Maschinerien die künstlerische Dürftigkeit des Dargebotenen. Wie einst bei jenen Prunk- und Protz-Orgien, die Richard Wagner an der Opernmanie Pariser Provenienz so kritisiert hat - Fassade statt Kunst.

Schlimm wird es, wenn dieserart entfesselte Dekorateure die größten Kunstwerke niederwalzen, weil die Regisseure unfähig sind, deren Gehalt einfühlsam auf die Bühne zu bringen. Auch in Wien haben diese Umtriebe zu Lähmungserscheinungen geführt. Denken wir an "Tristan", dessen jüngste Wiener Inszenierung nur aus einem hässlichen Bühnenbild ohne jeden Anflug von Regie-Arbeit besteht. Denken wir an die "Frau ohne Schatten", die von einem gigantischen technischen Räderwerk mangels Erzählung des Stücks geradezu zermalmt worden ist.

Was Sena Jurinac über Ljuba Welitsch erzählt, das hat al lerdings ebenso für sie selbst gegolten. Wenn sie auf der Bühne stand, dann schwang allein in ihrem Gesang so viel Seele, so viel Wahrhaftigkeit mit, dass jede überflüssige szenische Agitation daneben nur störend gewirkt hätte. Sie konnte in ein und demselben Stück von Janácek als Jenufa eine anrührend verletzliche Frau sein und als Küsterin eine herrische Gebieterin, die auch über Leichen geht - freilich nicht ohne Seelenqualen dabei zu durchleiden.

All das hat im bescheidenen (und dabei goldrichtigen) Holzhütten-Ambiente der Otto-Schenk-Inszenierung stärksten Effekt gemacht. Es war Oper pur. Die hat mit Singen zu tun. Mit dem Ensemblegeist, der im Hause herrschen sollte. Erst wenn der wieder einkehrt, wenn wieder die Musik das wichtigste Element ist, wenn man Premieren in Bühnenbildern präsentiert, die den Werken und nicht der Eitelkeit der Produzenten dienen, könnte Oper tatsächlich wieder billiger, aber uns wieder teuer werden.

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