Insolvente Ex-Tochter Delphi treibt Sanierung voran.
Detroit/New York (Reuters/DPA). Für 14 Mrd. Dollar gibt der weltgrößte Autobauer General Motors (GM) die Kontrolle über seine profitable Finanzsparte GMAC ab. Damit verschafft sich der angeschlagene Konzern, der 2005 einen Verlust von 10,5 Mrd. Dollar verbuchte, Luft im Kampf um seine Existenz. Der Aktienkurs reagierte mit einem leichten Kursplus auf 21,5 Euro.
Der Verkaufserlös ist deutlich höher als die ursprünglich erwarteten zehn Mrd. Dollar. Käufer ist ein Konsortium, das von der Citigroup-Tochter Cerberus Capital Management angeführt wird und laut Vertrag in den kommenden zehn Jahren weiterhin Autofinanzierungen für GM anbieten wird. Genau so lange hat GM auch das Recht die Finanzsparte wieder zurückzukaufen.
Vorerst machen dem Detroiter Autoriesen aber die starke Konkurrenz - und dabei vor allem die Rabattschlacht auf dem US-Markt - sowie die hohen Benzinpreise zu schaffen. Ende November hatte Firmenchef Rick Wagoner erklärt, angesichts hoher Überkapazitäten und massiver Absatzprobleme den Sparkurs zu verschärfen und binnen drei Jahren 30.000 Stellen zu streichen. Analysten hatten damals die Sparmaßnahmen als "letzte Chance" bezeichnet, um GM noch zu retten.
Sollte der gegenwärtige Trend beim strauchelnden Konzern anhalten, sei der Gedanke an einen Bankrott von GM nicht weit hergeholt, hatte der Auto-Analyst Scott Sprinzen von der Ratingagentur Standard & Poor's Mitte Dezember gesagt.
Bereits im Konkurs befindet sich der wichtigste Zulieferer von GM: Delphi will ein Viertel seiner weltweit 185.000 Mitarbeiter entlassen. Der größte US-Autozulieferer hat nun einen gerichtlichen Präventivschlag gegen seine Gewerkschaften und den Hauptkunden General Motors (GM) eingeleitet.
Delphi will sowohl die Tarifverträge für ungültig erklären als auch rund 5500 Verträge mit der früheren Mutter GM kündigen, die Delphi heuer einen Verlust von 2,1 Mrd. Dollar bescheren werden. "Wir können einfach keine Produkte mehr mit Verlust verkaufen", meint Delphi-Konzernchef Robert S. Miller. Delphi will sich zukünftig auf technologisch hochwertige Autoteile wie Autoelektronik, Motorensteuerungs- und Sicherheits-Systeme sowie Klimaanlagen konzentrieren. Einfache Teile wie Bremsen und Fahrgestelle will Delphi künftig nicht mehr herstellen. Diese Sparten stehen zum Verkauf.
Die mächtige Autogewerkschaft UAW droht für den Fall der Tarifaufkündigung, die eine schrittweise Absenkung des Stundenlohns von 27 auf 16,5 Dollar vorsieht, bereits mit Streik. Ein langer Ausstand würde jedoch den schwer angeschlagenen Branchenführer GM Milliarden kosten und möglicherweise selbst in ein Insolvenzverfahren treiben, spekulierte die Wall Street. Dies könne sich die Gewerkschaft nicht leisten. Die Delphi-Aktien legten am Montag leicht auf 66 Cents zu. Anfang 2007 möchte Delphi, das auch im Burgenland ein Werk betreibt, aus dem Insolvenzverfahren heraus sein.