Edelmetall: Gold nimmt Anlauf zu neuen Höhen

Analysten halten 850 Dollar in drei Jahren für realistisch.

Frankfurt (red./Bloomberg). Derzeit sind nicht nur die Aktienmärkte schwach, auch der Goldpreis hat seinen Höhenflug gestoppt und ist von seinen Jahreshöchstständen deutlich zurück gefallen. Nach Ansicht von Experten dürfte das aber nur eine Atempause sein, bevor der Preis für das Edelmetall wieder zu neuen Höhenflügen ansetzt. Die Analysten der US-Bank Citigroup glauben jedenfalls, der Goldpreis werde innerhalb der nächsten drei Jahre neue Rekordhöhen anvisieren. Denn immer mehr Investoren kaufen das Edelmetall als Absicherung vor zunehmender Inflation.

"Schon seit drei Jahren rechnen wir mit einem steigenden Goldpreis. Wir gehen davon aus, dass er mit der Zeit noch deutlich zulegen wird", erläuterte John Hill, Analyst beim weltgrößten Finanzdienstleister, in einem Bericht. "Wir wären nicht überrascht, wenn der alte Rekord von 850 Dollar (659,25 Euro) je Unze getestet würde."

Gold zur sofortigen Lieferung dürfte im laufenden Jahr durchschnittlich 632 Dollar je Unze kosten, prognostiziert Hill und hob damit seine vorherige Vorhersage um 14 Prozent an. Im letzten Jahr kostete das Edelmetall im Schnitt 445,39 Dollar. Für 2007 rechnet Hill mit einem Durchschnittspreis von 700 Dollar und für das Jahr darauf mit 750 Dollar.

Weil der Preis für das Edelmetall in letzter Zeit sehr stark schwankt, sagen Durchschnittspreise freilich nicht all zu viel über die tatsächlich erreichbaren Höchststände aus. Letzten Monat war der Goldpreis beispielsweise auf das 26-Jahres-Hoch von 730,40 Dollar je Feinunze geklettert, nachdem die US-Notenbank Federal Reserve sich wegen der Preissteigerung besorgt geäußert hatte. Am Montag dieser Woche erklärte Fed-Chairman Ben S. Bernanke, dass die jüngsten Hinweise auf eine steigende Inflation unwillkommen seien. Er werde sicherstellen, dass sich dieser Trend nicht festigen könne, fügte er hinzu. Das drückt kurzfristig ein wenig auf den Preis, denn ein wesentliches Argument für Gold-Investments ist die Absicherung gegen Inflation.

Aufgrund der Patt-Situation beim iranischen Atomprogramm und der Spannungen im Irak hatte der Ölpreis am 21. und 24. April neue Rekordhöhen erklommen. Seither ist er wieder leicht rückläufig, aber Citigroup-Analysten gehen davon aus, dass dadurch auch der Goldpreis weiter anziehen wird.

Im Jänner 1980 hatte das Edelmetall bei 850 Dollar je Unze sein Allzeithoch erreicht. Wegen der Revolution im Iran fielen damals die Ölexporte des Landes ab. In heutigen Dollar wäre das ein Preis von beinahe 2100 Dollar je Unze. Am Mittwoch wurde Gold in Europa zu rund 623 Dollar gehandelt.

Seit dem 12. Mai hat sich Gold um 13 Prozent verbilligt. Fonds und große, spekulativ ausgerichtete Investoren haben ihre Investments zurückgefahren, nachdem der Preis von Ende Dezember bis Mitte Mai um knapp 200 Dollar hochgeschnellt war. Die Volatilität beim Goldpreis war in den letzten 50 Handelstagen so hoch wie seit fünfeinhalb Jahren nicht mehr.

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