Rohstoffe: Anlage in Metalle wird riskanter

Experten rechnen bis Mitte 2007 mit einer kräftigen Korrektur bei Metallpreisen.

London. "Die optimalen Anlagebedingungen bei den Metallen sind vorbei", meint Jon Bergtheil von JP Morgan in London. Diese Einschätzung wird manch einen Anleger enttäuschen. Seit Anfang des Monats haben sich die Preise für Kupfer, Zink, Zinn oder Nickel schließlich wieder kräftig von dem Rückschlag erholt, den sie im Juni angesichts der wachsenden Befürchtungen über eine Verschärfung der US-Zinspolitik erlitten hatten. Heißt es Abschied nehmen von über 50 Monaten steigender Preise - einer der längsten Metallpreishaussen der Geschichte? Ja, lautet die einhellige Antwort der Experten.

Beflügelt durch den rasant wachsenden Bedarf Chinas, die boomende Weltwirtschaft, umfangreiche Anlagekäufe institutioneller Anleger und ein knappes Angebot bei sinkenden Vorräten haben sich die Preise für die Metalle seit 2002/03 verdoppelt oder sogar verdreifacht.

Doch John Bergtheil von JP Morgan ist nicht der einzige, der jetzt zur Vorsicht mahnt. Auch Paul Horsnell, Chef der Rohstoffforschung bei Barclays Capital, und Michael Lewis von der Deutschen Bank in London sagen für Jahresmitte 2007 für praktisch sämtliche Buntmetalle deutlich niedrigere Preise als heute voraus. Der Preis für Kupfer, das meistgehandelte Industriemetall, könnte sich etwa halbieren.

Für Frederic Lasserre von der Soci©t© G©n©rale steht die Preisblase bei den Metallen "kurz vor dem Platzen" - selbst wenn die Preise vor Jahresschluss nochmals "spektakulär" ansteigen sollten. 2007 würden dann die Minen mit neuem Angebot auf den Markt kommen, zu einer Zeit, da die Weltwirtschaft sich abzukühlen beginne.

Für Michael Lewis von der Deutschen Bank wird auch die Nachfrage Chinas nach den Metallen in Zukunft nicht mehr so rasant zunehmen wie in der Vergangenheit, sei es wegen einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums oder der Ausweitung der eigenen Bergbaukapazitäten des Riesenreichs. Seine Bank setzt daher schon jetzt auf China als künftigen Preistreiber - nicht mehr bei den Metallen, sondern bei agrarischen Rohstoffen wie Weizen, Mais und Sojabohnen. Gemessen an ihren historischen Höchstpreisen seien diese anders als die Metalle noch deutlich unterbewertet.

Außerdem verhielten sich die Preise für die Metalle nicht mehr weitgehend konträr zu anderen Anlageformen wie in der Vergangenheit. Das hohe spekulative Engagement der Fonds und vor allem Hedgefonds lasse die Rohstoffmärkte jetzt vielmehr prozyklisch genauso empfindlich auf Zinsängste und Konjunktureintrübungen reagieren wie die Aktienmärkte. "1992 hielten US-Banken Rohstoffderivate mit einem unterliegenden Wert von 30 Mrd. Dollar, 2006 dürften es rund 900 Mrd. Dollar sein", beschreibt John Bergtheil nur einen wichtigen neuen Einflussfaktor an den Rohstoffmärkten.

Dass die Zentralbanken die Zinsen anheben, um auf diese Weise die durch hohe Öl und Metallpreise beschleunigte Inflation zu bekämpfen, dürfte auch die Nachfrage nach Metallen dämpfen.

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