Bauindustrie: Strabag beschließt Börsegang

Binnen zwei Jahren will die Strabag zurück am Kapitalmarkt sein.

Wien. Ihre deutsche Tochter Strabag AG Köln wird die österreichische Bauholding Strabag nun doch von der Börse nehmen, wie sie am Dienstag per Aussendung mitteilte. Der Kurs der Tochter, der sich seit der Ankündigung des Übernahmeplans vor zwei Monaten verdoppelt hat, stürzte um 24 Prozent ab, weil die Aktionäre nun doch nicht auf eine fette Prämie für den Verkauf ihrer Anteile hoffen können. Viel brisanter ist jedoch der Hintergrund dieses Schrittes.

Die Bauholding Strabag, der fünftgrößte Baukonzern Europas, will selbst an die Börse gehen. "Die Organe haben am Dienstag den Beschluss gefasst, das Unternehmen binnen 24 Monaten wieder an die Börse zu bringen", bestätigte ein Strabag-Sprecher auf "Presse"-Nachfrage. Ein Projektteam "Börsegang" werde gerade aufgebaut.

Strabag-Haupteigentümer Hans-Peter Haselsteiner hat seine Börsepläne in der Vergangenheit immer wieder bekräftigt. Offen ist aber noch, ob er im Rahmen der Transaktion die Mehrheit abgeben wird. Die Aktionäre der deutschen Tochter könnten im Rahmen des Börsegangs an der Mutter beteiligt werden, was den Gang von der Frankfurter Börse vorerst überflüssig macht.

Die Bauholding Strabag, die in ihren 450 Töchtern 43.000 Mitarbeiter beschäftigt, dürfte im laufenden Jahr einen Umsatz von 9,5 bis zehn Mrd. Euro erreichen. Neben Haselsteiner ist aktuell auch die Uniqa und die Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien an der Bauholding beteiligt. Wer im Rahmen des Börsegangs wie viele Anteile abgeben wird, ist noch nicht geklärt.

Wenn man die europäische Konkurrenz als Vergleich heranzieht, könnte der Wert des Unternehmens bei etwa drei Mrd. Euro liegen. Der etwas größere deutsche Baukonzern Hochtief (Umsatz 13,6 Mrd. Euro) ist an der Börse derzeit 3,4 Mrd. Euro wert. Der kleinere deutsche Konkurrent Bilfinger Berger (Umsatz 6,2 Mrd. Euro) ist aktuell fast zwei Mrd. Euro wert. An die Bewertung des französischen Riesen Vinci, der bei 22 Mrd. Euro Umsatz annähernd 19 Mrd. Euro wert ist, kommen die deutschen Baukonzerne allerdings nicht heran. Aber nur gut die Hälfte seines Geschäfts erzielt Vinci im Baubereich, der Rest stammt unter anderem aus dem Betrieb von Mautautobahnen und Parkgaragen.

Für die Bauholding wäre ein Börsegang nichts Neues, sondern bloß eine Rückkehr. Die Bauholding notierte von 1987 bis 2003 an der Wiener Börse. Nach der Übernahme der deutschen Strabag wurde das Unternehmen von der Börse genommen. Seitdem hat die Bauholding auch große Teile der insolventen deutschen Walter-Bau-Gruppe sowie die Mehrheit an der ebenfalls deutschen Baugesellschaft Züblin übernommen.

Haselsteiner glaubt laut früheren Aussagen, dass sich der deutsche Baumarkt bald aus seiner jahrelangen Krise erholen dürfte. Von der Entwicklung der deutschen Bauwirtschaft dürfte auch der Termin des Börsegangs abhängen. Je früher sich diese erholt, desto früher innerhalb der 24-monatigen Frist dürfte die Bauholding Strabag den Gang an die Börse antreten.

Die Bauholding Strabag ist mit ihren Börseplänen aber nicht alleine. Gerüchten zufolge überlegt auch der heimische Baukonzern Alpine-Mayreder einen Schritt an den Kapitalmarkt.

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