Skeptische Analysten. Unerbittliche Regulatoren und harte Konkurrenz erfreuen die Kunden - machen aber den Kauf von Mobilfunk- oder Festnetzaktien zusehends riskant.
WIEN. Da sage noch jemand, die EU sei völlig machtlos: Knapp nachdem EU-Medienkommissarin Viviane Reding vergangenen Dienstag verkündet hatte, sie werde die europaweit ziemlich üppigen Kosten für Anrufe ins Ausland per Dekret drastisch senken, rumpelte der Kurs des britischen Handynetz-Betreibers Vodafone um vier Prozent talwärts. Die Investmentbank JP Morgan schätzt, dass ein Zehntel des Umsatzes von Vodafone weg bräche, falls die Gebühren für das Auslands-Roaming auf Brüsseler Geheiß tatsächlich um 80 Prozent fallen.
Die EU-Kommission ist nicht die einzige Behörde, die den "Telcos" mit regulatorischen Vorgaben das Leben erschwert. So gab der britische Regulator Ofcom vergangenen Donnerstag bekannt, jene Gebühren deutlich zu senken, die britische Mobilfunker ihren Kunden verrechnen, wenn sie Anrufe aus anderen Netzen übernehmen.
"Viele Telcos machen einen Großteil ihrer Gewinne über das Auslands-Roaming. Die konnten da bisher faktisch jeden Preis verlangen, den sie wollten", sagt Kevin Yates, Telekom-Experte von Baring Asset Management.
Diese fetten Jahre sind für Europas Telekom-Konzerne nun eindeutig vorbei, meint Yates. "Sie unterliegen zusätzlich extremem Druck, die Preise zu senken. Das ist halt ein durch und durch deflationärer Markt."
Schön für die Kunden - aber ein Alarmzeichen für Anleger, warnt auch Markus Sander von Sal. Oppenheim im Gespräch mit der "Presse": "Ich sehe die Rahmenbedingungen für den Sektor nicht positiv. Die Möglichkeiten, Umsätze zu steigern und dies über das Ebitda (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, Anm. d. Red.) in die Performance fließen zu lassen, stehen schlecht."
Kevin Yates teilt diesen Pessimismus und veranschaulicht seine Einschätzung am Beispiel der France Telecom. "Die ist natürlich sehr groß und cash-intensiv. Eine Dividendenrendite von sechs Prozent ist für das Jahr 2006 ziemlich sicher. Für den Aktienkurs gilt das aber nicht. Und darum sollten mögliche Anleger sehr vorsichtig bleiben", sagt Yates. Ironie des Schicksals: Kurz nach dem Gespräch mit der "Presse" vermeldeten die Nachrichtenagenturen, France Telecom werde laut der Zeitung "La Tribune" heuer im Heimmarkt Frankreich weniger Umsatz erzielen - traurige Premiere in der Firmengeschichte.
Barings-Analyst Yates hält Telekom-Aktien nicht a priori für schlechte Investitionen. In den Wachstumsmärkten - allen voran Russland und Südosteuropa - gebe es noch satte Renditen zu holen. Doch seien das junge Märkte - mit entsprechendem Risiko.
Markus Sander meint, dass Telcos zwar als Ergänzung im Portfolio sinnvoll seien. Allerdings sei Vorsicht geboten: "Die EU-Vorgaben beim Auslands-Roaming haben die meisten Analysten noch nicht im Rating. Da wird es noch Herabstufungen geben." Das sieht Yates genauso: "Werden kurzfristig orientierte Aktionäre ihre Telco-Scheine behalten, wenn es schlechtere Ratings gibt? Kaum."
Triste Aussichten, die sich auch in der Expertise der Manager des Fidelity Telecom Fund spiegeln. Sie verweisen auf den MSCI World Telecom Index. Der schloss im Schlussquartal 2005 mit einem Minus von 2,8 Prozent - schlechter als jede andere Branche mit Ausnahme des Energiesektors.