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Rückenwind für Naturwissenschaft

Projektförderung. Netzwerke sollen Unterricht verbessern und Schüler motivieren.

Wien. Not macht bekanntlich erfinderisch. Und Georg Ratz, Lehrer für Mathematik und Informatik an der Hauptschule Herzgasse in Wien-Favoriten, hat sie sehr erfinderisch gemacht. Wurde früher jede Stunde an seiner Schule von zwei Lehrern gehalten, stand er durch Sparmaßnahmen plötzlich allein 30 Kindern mit völlig unterschiedlichem Mathematik-Niveau gegenüber. "25 Prozent der Schüler sind überfordert, 25 Prozent unterfordert", erzählt er.

Der Ausweg aus dem Malheur: Ratz begann, E-Learning im Mathematik-Unterricht einzusetzen, er programmierte eine Lernplattform mit animierten Übungen. Seine Mathematikstunden finden nun im EDV-Saal statt, jeder Schüler kann am PC in seinem Tempo Aufgaben lösen und üben. Wer nicht weiterkommt, holt sich einfach bei begabteren Schülern Hilfe: im von Ratz gebastelten Chat. Und es funktioniert.

Vor drei Jahren hat der heute 41-Jährige sein E-Learning-Projekt "Elsy" entwickelt - privat, unentgeltlich. In diesem Jahr bekommt Ratz erstmals finanzielle Unterstützung aus dem MNI-Fonds. Seit 2004 werden durch diesen jährlich 150 Projekte aus dem Bereich der Mathematik, Naturwissenschaften oder Informatik mit bis zu 4500 Euro gefördert. Der bundesweite Fonds ist Teil der IMST3-Initiative, in deren Rahmen der Unterricht in diesen Fächern verbessert werden soll.

Anlass der ersten IMST-Initiative 1998 war das schlechte Abschneiden österreichischer Schüler bei einer internationalen Leistungsstudie in Mathematik und Naturwissenschaften Mitte der 1990er. Nachdem die Gründe für diese Schwäche erhoben und bei IMST2 Verbesserungsstrategien entwickelt wurden, geht es bei IMST3 darum, diese Maßnahmen umzusetzen. Ziel ist es, dass die Ausbildung der Schüler verbessert wird und das Ansehen dieser Fächer in der Öffentlichkeit steigt.

"Die Naturwissenschaften sind nicht sonderlich beliebt. Universitäten und Industrie beklagen, dass es ihnen an Nachwuchs fehlt", berichtet Biologieprofessor Hermann Scherz vom BG/BRG Leibnitz. Er ist Leiter des regionalen Netzwerkes Steiermark, bei dem Lehrende ebenfalls um Fördergelder ansuchen können.

"Diese zweite Säule der IMST-Initiative ist näher an den Lehrern. Wir versuchen, sie aus ihrem Einzelkämpfertum herauszuholen, sie zu motivieren und bei Finanzierung und Organisation von Projekten zu unterstützen", so Scherz. Seit 2003 wird in regionalen Netzwerken die Zusammenarbeit von Universitäten und Schulen sowie verschiedener Schultypen untereinander verstärkt. Innerhalb der Bundesländer wird außerdem das gefördert, was Fachkoordinatoren auf Schulebene forcieren sollen: den Informationsaustausch der Lehrenden untereinander. Mit bis zu 20.000 Euro können die regionalen Netzwerke zusätzlich Projekte fördern, indem sie etwa die Reisekosten für Exkursionen übernehmen oder Schülern ermöglichen, bei Projekttagen ihre Werke zu zeigen.

Indes wurde auf nationaler Ebene ein Fachdidaktikzentrum geschaffen, wo der wissenschaftliche Nachwuchs gefördert, Forschungs- und Entwicklungsprojekte geplant und durchgeführt werden. "In Österreich", so Scherz, "hat es lange keine Fachdidaktik gegeben." Daher zäume man mit IMST das Pferd von hinten auf. Zunächst habe man an Schulen förderungswürdige Projekte gesucht und unterstützt, die Systematik werde jetzt entwickelt.

www. elsy.at, http://imst.uni-klu.ac.at