Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Wohnadresse: Kellergasse

Wein-Architektur. Ehemalige Heurige werden zu Wohngebäuden mit speziellem Flair.

Wein und Architektur _ was auf den ersten Blick nicht viel miteinander gemein hat, erweist sich bei näherer Betrachtung als Paar mit enger Verflechtung. Nicht umsonst widmete das Architekturzentrum Wien heuer dem Thema "WeinArchitektur. Vom Keller zum Kult" eine eigene Ausstellung.
Während es in den vergangenen Jahren zum Trend wurde, große Weingüter architektonisch spektakulär in Szene zu setzen, blüht die Beziehung hierzulande auch im Kleinen. Die Rede ist von Buschenschanken, Heurigen und Winzerhäusern, die dank Revitalisierung, Neu- oder Zubau zu Wohngebäuden umgestaltet werden. Jüngstes Beispiel: der Umbau eines ehemaligen Heurigen in Wien-Stammersdorf, nur wenige Meter abseits der unter Weinfreunden einschlägig bekannten Kellergasse. "Die Grundidee war", so Projektleiter Martin Junger vom Architektenteam junger_beer, "Alt und Neu zu verbinden und den qualitätsvollen Altbestand des Winzerhauses mit den Anforderungen an eine moderne Wohnlandschaft in Einklang zu bringen." Von außen lassen sich die massiven Änderungen nicht erahnen. Die unter Denkmalschutz stehende, für die Region typische, straßenseitige Stuckfassade blieb in ihrer traditionellen Form vollständig erhalten. Erst beim Betreten des Hauses wird das Konzept der Architekten deutlich. Junger: "Es ging uns in erster Linie darum, das kleinteilige Raumgefüge aufzuheben."

Luftig statt beengt

So wurde der frühere Durchgang in den Garten zum gedeckten Vorplatz umfunktioniert, der Außen- und Innenraum verknüpft und ausreichend Platz für Fahrräder oder Kinderwagen bietet. Der nächstgelegene, verandaähnliche Raum mit Wohnqualität verbindet das alte Haupthaus und einen neu errichteten Baukörper. Gewohnt, gekocht und gegessen wird im Altteil, die Privaträume für Kinder und Eltern liegen im zweigeschoßigen Zubau.
"Wo es  früher eng war, sorgen heute die neue Raumanordnung, großflächige Verglasungen und Dachfenster für ein luftiges Wohngefühl", so Junger, der Straßendorfhäuser wie jenes in Stammersdorf nach entsprechender Adaptierung generell für geeignete Wohnbauten hält. "Nach vorne hin großzügige Fassaden im alten Stil _ hinten, in einem meist von einer Art Brandwand blickgeschützten Gartenteil, angenehm privat und intim. Aus meiner Sicht ein Vorteil gegenüber freiliegenden Einfamilienhäusern, die von einem überall einsehbaren Garten umrundet werden."

Grundcharakter bleibt erhalten

Zeitgenössische Architektur einzubringen, unter Rücksichtnahme auf erhaltenswürdige Altsubstanz _ so lautete auch beim wohngerechten Um- und Zubau einer ehemaligen Buschenschank in der Wiener Himmelstraße der Plan. "Hauptziel war es, den Dialog zwischen Alt und Neu zu betonen und den Grundcharakter des Hauses mit Innenhof zu erhalten", erklärt der Architekt Walter Stelzhammer. Moderne Formen- und Raumsprache verbindet sich mit dem Respekt vor Bestehendem, der etwa in der Beibehaltung der Dachform, früherer Unebenheiten in der Fassade oder in der Revitalisierung authentisch anmutender Treppenanlagen aus Holz und Stein zum Ausdruck kommt.
Beim Umbau einer Buschenschank im 21. Bezirk samt Neubau des angeschlossenen Einfamilienhauses für die Bauherrenfamilie Christ waren die Architekten Rupert Königswieser und Ferenc Horvath von der Architektengruppe Raum-Werk-Stadt ebenfalls darauf bedacht, zeitgenössische Neuerungen harmonisch ins Ortsbild einzufügen. "Es ging uns um eine klare Formensprache ohne gekünstelte Elemente", erläutert Königswieser. Mit Holz, das Wärme und Gemütlichkeit vermittelt, wurde nicht gespart, eine Betonwand entlang des Weinguts verbindet als Spange die beiden Eingänge miteinander und entspricht im Anstrich ganz dem Grundthema. Die Farbe: Weinrot.