Grüne: Wahlkampf unter Studenten

Van der Bellen kämpfte vor der Wiener Uni um Stimmen - und erntete nicht nur Zuspruch.

Wien. "Der Pilz als Innenminister, das würd' mir taugen". Der junge Mann, der am Dienstagvormittag beim grünen Info-Stand vor der Wiener Hauptuni halt macht, muss von den dortigen Partei-Mitarbeitern nicht mehr überzeugt werden. Sein Idol, der grüne Sicherheitssprecher Peter Pilz, ist auch anwesend, aber nur als Zuhörer. Im Mittelpunkt der Veranstaltung: Parteichef Alexander Van der Bellen.

Dieser gilt zwar nicht als ein Wahlkämpfer, der sich oft unter das Volk mischt. Doch für das studentische Publikum macht er eine Ausnahme. Schließlich handelt es sich fast um ein Heimspiel: Van der Bellen war selbst Uni-Professor und viele grüne Wähler sind Studenten. Die Veranstaltung startet: Es gibt Reden von Van der Bellen sowie von der Wiener Grünen Chefin Maria Vassilakou und Grünen-Bildungssprecher Dieter Brosz. Zusammen wird das grüne Lieblingsopfer gegeißelt: Die "Un-Bildungsministerin Gehrer", wie sie Van der Bellen nennt.

Danach sucht Van der Bellen das Gespräch mit den Studenten. Mit lässig über die Schulter gehängtem Sakko steht er beim grünen Infostand. Schon bald kommt die erste Studentin zu ihm: Die junge Frau mit Ring in der Unterlippe und dem Spruch "Sozialromantikerin" auf ihrem T-Shirt klagt über ihr Leid: Dauernd höre man nur über die Probleme in den Massenstudien wie Jus. Sie aber studiere Afrikanistik und auch hier gebe es Schwierigkeiten. Van der Bellen nützt die Gelegenheit, um Kritik an der Regierung zu üben. Er würde nicht wie Finanzminister Karl-Heinz Grasser von "Orchideenstudien" sprechen, betont der Grünen-Chef. Auch Studien wie Afrikanistik dürften nicht ausgehungert werden - und auch mit diesem Studium sollte man einen Job bekommen. "Afrika ist ja ein riesiger Kontinent", so Van der Bellen. Die Studentin zieht zufrieden ab.

Aber nicht bei allen kann der Grünen-Chef so leicht punkten. Ein Student zeigt Unverständnis für eine zentrale grüne Forderung: "Sind Studiengebühren wirklich so unfair?", fragt er. Er selbst sei etwa von den Gebühren befreit und bekomme dazu ein Stipendium. Vielleicht seien nur zu wenig über Stipendien informiert. Van der Bellen bleibt bei seiner Ansicht: Speziell "Mädchen vom Land" würden wegen der Studiengebühren öfters nicht auf die Uni gehen.

Doch die Debatte geht weiter: Van der Bellen wird mit dem Einwand konfrontiert, dass man später als Akademiker besser verdient. Warum sollte man dann nicht auch einen Beitrag für das Studium leisten? Van der Bellen erwidert: Es wäre fairer, nach dem Studium bei Leuten die tatsächlich gut verdienen, Kosten einzuheben. "Ob das durchführbar ist, ist eine andere Frage", schränkt der Grünen-Chef aber ein.

Nun ist ein Lehramts-Student an der Reihe: Er klagt über die vielen Ausländer in manchen Schulklassen, die er einmal unterrichten soll. Ob diese nicht auch das Pisa-Ergebnis runterziehe, will er wissen. Van der Bellen versucht, zu beruhigen: Die Ausländer seien sicher nicht für das Pisa-Ergebnis Österreichs verantwortlich.

Es sind nicht nur Studenten, die an diesem Vormittag am Stand der Grünen vor der Uni vorbei kommen. Ein nach eigenen Angaben beruflich erfolgreicher Mann geht auf Van der Bellen zu. "Ich würde Sie gerne wählen, aber ich fürchte mich davor", sagt er zum Grünen-Chef. Denn auf der einen Seite schätze er die Ehrlichkeit Van der Bellens und hoffe auf eine schwarz-grüne Koalition. Auf der anderen Seite habe er aber Angst, dass die Grünen ihm sein einziges Hobby vermiesen: das Fahren mit dem Porsche am Wochenende. Er wolle nicht, dass er drei Euro pro Liter Sprit zahlen muss.

Van der Bellen legt fast väterlich seine Hand auf den Arm des Mannes und beruhigt: "Selbst wenn wir solche fiesen Pläne hätten, wir bekämen eh nicht die absolute Mehrheit." Also müsste eine andere Partei zustimmen. Und um den Mann endgültig zu beruhigen, fasst Van der Bellen noch ein Geständnis in eigener Sache ab: "Ich fahre auch nicht ungern Auto." Freilich nicht im Porsche, sondern im Alfa ergänzt der Grünen-Chef.

Der Porsche-Fan wirkt nun zufrieden, auch Van der Bellen kann aufatmen: Dieser Wahlkampf-Termin wäre geschafft. "Puh", sagt der Grünen-Chef offenbar erleichtert zu einem Mitarbeiter und steckt sich eine Zigarette an.


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