Wasserball spielen im Bawag-Sumpf

Nicht nur mit Argumenten, auch mit Geschenken wird im Wahlkampf um Stimmen geworben. Das Angebot der Parteien reicht dabei von Spielgeräten über Plüschtiere bis hin zu Kondomen.

Wien. Vorbei die Zeiten, als man mit simplen Kugelschreibern das Herz des Wählers erobern konnte. Das Schreibgerät ist zwar nach wie vor der Klassiker unter den Werbegeschenken. Doch um aufzufallen, müssen sich die Parteien schon etwas Originelleres einfallen lassen.

Bei der ÖVP legte etwa der Kanzler selbst Hand an. Er zeichnete die Figuren des "magnetischen Quartetts". Beschriftet sind die Figuren mit heiteren Bezeichnungen wie "mein lieber Schwan" oder "die Naschkatze". Dazu gibt es ein lichtreflektierendes Armband, mit dem Kinder sicher in die Schule kommen sollen. Für die etwas Älteren ist der ÖVP-Handy-Anhänger mit Putztuch-Funktion (für das Display) gedacht - möglicherweise das ideale Anhängsel für alle "Moltofon"-Besitzer. Wer es staatsmännisch liebt, der wählt den rot-weiß-roten VP-Schal. Ob dieser die vom politischen Gegner behauptete soziale Kälte kompensiert, ist allerdings nicht bekannt.

Ebenfalls unklar bleibt, ob der SPÖ-Wasserball vorm Ertrinken im Bawag-Sumpf schützt. Die Sozialdemokraten setzen jedenfalls stark auf Spielgeräte: So bringen sie auch noch ihre Frisbee-Scheibe auf den Markt. Was bei der SPÖ auffällt, sind die auf die jeweiligen Geschenke gut abgestimmte Sprüche: "Deine Wahl schützt" steht etwa auf der Ummantelung des SP-Kondoms (dieses ist übrigens wirklich rot). "Genug gebrannt? Schüssel abwählen!" wurde als origineller Text für das Feuerzeug gewählt.

Auch die Grünen waren im Kreativstudio: Sie verteilen Kürbiskerne mit der Aufschrift "Grüne Kernenergie". Und scheinbar müssen Kinder von Grün-Wählern auch alternativ spielen: Denn für sie wird "PlayMais verteilt". Dabei handelt es sich laut Beschreibung um "biologisch abbaubares und gesundheitlich unbedenkliches Bastelmaterial aus 100% Mais". Dazu gibt es das grüne Brettspiel zum Thema Grundsicherung.

Wenn es schon bei den Wahlberechtigten nicht klappt - die Kinder mögen den "Westi". Es handelt sich aber auch in diesem Fall nicht um den BZÖ-Chef, sondern um den gleichnamigen Plüschhund, der im Wahlkampf verteilt wird. Sein Widerpart ist der von der FPÖ nominierte HC-Bär. BZÖ und FPÖ wetteifern auch auf gesanglicher Ebene: Die FPÖ verteilt eine CD mit dem HC-Rap ihres Chefs, die Orangen setzen auf den Westi-Schlager-Song.

Nicht zu beneiden ist übrigens der FPÖ-Mitarbeiter, der auf allen CDs mit dem HC-Rap das Wort "Wahlbetrug" am Cover durchstreichen musste. Die FPÖ darf ja nach einer Gerichtsentscheidung nicht mehr vom "ÖVP/BZÖ Wahlbetrug" sprechen.

Und wie hoch ist die Bedeutung von Geschenken für den Wahlausgang? Manche Österreicher seien enttäuscht, wenn sie bei einer Partei-Veranstaltung nichts geschenkt bekommen, sagt OGM-Meinungsforscher Peter Hajek im "Presse"-Gespräch. Aber niemand lasse sich bei seiner Wahlentscheidung ernsthaft von Geschenken beeinflussen.


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