Halbmond-Debatte. Weiterhin nur Kreuze auf Berggipfeln, Westenthalers "Beweis" unecht.
Wien. Mit Fälschungen und Täuschungen hat das BZÖ so seine Probleme. Erst will man sich "Die Freiheitlichen" nennen, um FP-Wähler anzulocken - ein Gericht verbietet das. Nun ging man selbst einem Fälscher auf den Leim.
In der TV-Konfrontation mit SP-Obmann Alfred Gusenbauer Donnerstagabend hatte BZÖ-Chef Peter Westenthaler vor dem Ersatz heimischer Gipfelkreuze durch Halbmonde gewarnt - und als Beweis dafür einen Briefwechsel zwischen dem Alpenverein und Omar Al-Rawi mitgebracht. Al-Rawi ist Wiener SP-Gemeinderat und Integrationsbeauftragter der Islamischen Glaubensgemeinschaft. Doch der von Westenthaler im TV gezeigte Brief war, wie sich am Freitag herausstellte, gefälscht.
In dem angeblichen Schreiben bezieht sich der Vizepräsident des Alpenvereins, Andreas Ermacora, auf ein Schreiben von Al-Rawi. Darin heißt es: "Ihre Schlussfolgerung, wonach jedes Gipfelkreuz ein Herrschaftszeichen des Christentums sei, können wir nicht teilen." Um vor der Wahl keine Emotionen aufzuschaukeln, biete man aber die Anbringung eines Halbmondes an einem Berggipfel der gemeinsamen Wahl an. Bei dem Brief handle es sich aber um eine "ganz schlechte Fälschung" sagt Ermacora im Gespräch mit der "Presse". Er habe selbst nie Kontakt mit Al-Rawi gehabt. Ermacora verweist auch auf die gefälschte Unterschrift: Das sei nicht seine Schrift, überdies zeichne er mit "A. Ermacora". Der gefälschte Brief ist mit vollem Namen unterschrieben.
Auch Al-Rawi wies die Behauptungen Westenthalers empört als "infame Verleumdung" zurück: Gipfelkreuze würden ihn auch gar nicht stören. Hinter dem unechten Brief dürfte eine Künstlergruppe stecken: Nach einem Bericht von "datum.at" wollte sie testen, wie weit populistische Politiker gehen. Denn, so die Künstler, der Brief sei leicht als Fälschung zu erkennen. Das Schreiben wurde übrigens bereits im April auch der FPÖ zugespielt. Sie war misstrauischer und kontaktierte den Alpenverein: So klärte sich die Fälschung auf.
Wie kommt das BZÖ aus dem Schlamassel raus? Man könnte es auf einen Mitarbeiter aus der zweiten Reihe schieben, sagt OGM-Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer. Und gleichzeitig sagen, der Parteichef selbst war vor der Debatte im Stress, ihm selbst wäre die Fälschung sonst aufgefallen. Überraschend wählte das BZÖ aber eine andere Taktik: Die Orangen bestehen weiter auf der Echtheit des Briefs. Wer anderer Meinung sei, solle klagen. Tatsächlich überlegt Ermacora rechtliche Schritte. Wahlentscheidend sei der Fehler des BZÖ aber nicht, glaubt Bachmayer. Wenn der negative Trend für das BZÖ anhalte, dann mache diese Peinlichkeit auch nichts mehr aus. Nach momentanen Umfragedaten würde das BZÖ nicht ins Parlament einziehen.
Auch abgesehen von der Brief-Debatte barg die Konfrontation zwischen Gusenbauer und Westenthaler Spannung. So warf Gusenbauer dem BZÖ-Chef vor, er plane eine "Massendeportation". Ihm grause vor dem Programm des BZÖ, so Gusenbauer. Im Gegenzug warf Westenthaler der SPÖ vor, sie setze sich für kriminelle Ausländer ein.