BZÖ: Warten auf die Wahlkarten

Die Orangen schneiden besser ab als erwartet und verdanken das Jörg Haider in Kärnten. Peter Westenthaler strebt nach wie vor eine Einigung des "Dritten Lagers" an.

WIEN. Die Meinungsforscher - das waren für die Orangen am Wahlsonntag das bevorzugte Ziel herber Attacken. Denn diese hatten dem BZÖ prophezeit, aus dem Nationalrat zu fliegen. Ganz sicher ist das aber auch am Tag nach der Wahl noch nicht: 250.000 bis 280.000 Wahlkarten werden über die Zukunft der Partei entscheiden. Das BZÖ benötigt davon rund 2000 Stimmen oder 0,75 Prozent, um über der 4-Prozent-Hürde zu bleiben. Denn das angestrebte Grundmandat in Kärnten wurde verfehlt.

Obwohl die hereinkommenden Ergebnisse des BZÖ überraschend gut sind, geht es bei der orangen Wahlparty in einem Lokal am Wiener Karlsplatz am Sonntagnachmittag noch sehr ruhig zu. Das ändert sich erst, als um 17 Uhr die erste Hochrechnung auf der Leinwand übertragen wird. Als wäre es geplant gewesen, betritt gleichzeitig mit dem orangen Jubel BZÖ-Klubobmann Herbert Scheibner das Lokal. Er strahlt über das ganze Gesicht: 4,2 Prozent für das BZÖ. Dass es mit dem erklärten Wahlziel "7 Prozent plus" nicht geklappt hat, stört im BZÖ niemanden. "Man muss sich immer höhere Ziele setzen", sagt Scheibner. Jetzt sei einmal wichtig, dass man eine linke Mehrheit verhindert habe. Er selbst werde nun bei einem guten Glas Wein feiern.

Grund zum Feiern gab es auch: Das glückliche Ende war nach einigen Wahlkampfpannen nicht erwartbar. Weder der gefälschte Halbmond-Brief noch der Parteiaustritt von Justizministerin Karin Gastinger schadeten offenbar. Der Wahlsieg ist vor allem einer für Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider. In einigen Kärntner Gemeinden erreichte das BZÖ mehr als 30 Prozent der Stimmen. Das Wahlergebnis bedeutet auch eines: Die Spaltung des Dritten Lagers scheint durch den Einzug des BZÖ ins Parlament dauerhaft zu werden. Hätte das BZÖ den Sprung ins Parlament verpasst, so wäre damit der Führungsanspruch der FPÖ geklärt gewesen.

Als BZÖ-Chef Peter Westenthaler kurz vor 19 Uhr erscheint, geht er auch gleich auf dieses Thema ein. Er strebe nach wie vor eine Wiedervereinigung an, wenn dies auch bei der gegenwärtigen FPÖ-Führung "nicht realistisch" sei.

Über Regierungsvarianten wollte Klubchef Scheibner nicht spekulieren. Man sei für Gespräche mit allen offen, selbst mit der FPÖ könnte man in Sachfragen im Parlament zusammenarbeiten. Eine schwarz-blau-orange Koalition schloss Scheibner allerdings aus. Wahlkreis Kärnten Ost S. 11


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