Interview. Ministerin Gastinger würde auch mit Rot und Grün reden.
Die Presse: Am Sonntag findet die Wahl statt. Wen werden Sie wählen?
Karin Gastinger: Eine schwierige Entscheidung. Da darf ich bitte auf das Wahlgeheimnis plädieren.
Sie haben heute wieder ein Gespräch mit Bundeskanzler und VP-Chef Wolfgang Schüssel gehabt. Worum ist es genau gegangen?
Gastinger: Wir haben darüber gesprochen, wie allenfalls die Zukunft ausschauen kann. Das Ergebnis des Gesprächs war, dass es kein ÖVP-Ticket für mich gibt. Es gibt aber eine Option mit vielen Fragezeichen dahinter: Wenn in einer neuen Regierung auch der Koalitionspartner eine unabhängige Justizministerin wünscht, dann könnte ich das sein.
Sie hätten aber auch als parteifreie Ministerin mit einer ÖVP zu tun, die etwa gegen Ihren Wunsch nach einem Pakt für Homosexuelle ist.
Gastinger: Es wird ja auch noch einen Koalitionspartner geben. Und auch in der ÖVP gibt es Kräfte, etwa den Wiener VP-Chef Johannes Hahn, die sich mit meinen Positionen anfreunden können.
Gibt es Bedingungen, damit sie als Ministerin zur Verfügung stehen?
Gastinger: Diese Frage kommt zu früh. Jetzt ist einmal wichtig, dass der Kanzler gesagt hat, dass ich meine Funktion wahrnehmen soll, bis es eine neue Regierung gibt.
Stünden Sie in jeder Partei-Konstellation als Ministerin zur Verfügung?
Gastinger: Ich bin jemand, der offen ist. Aber der einzige der mich bis jetzt gefragt hat, ist der Bundeskanzler - mit vielen Fragezeichen.
Wenn SP-Obmann Alfred Gusenbauer oder Grünen-Chef Van der Bellen bei Ihnen anruft, würden Sie aber auch nicht auflegen?
Gastinger: Würde ich sicher nicht. Mit beiden Herren habe ich an und für sich einen guten Kontakt.
Warum sind Sie eigentlich jetzt aus dem BZÖ ausgetreten?
Gastinger: Sie müssen das sehen wie ein "Fassl": Da sind viele Tropfen hineingegangen in den letzten Monaten. Irgendwann ist der letzte Tropfen da und dann rinnt das "Fassl" über. Dieser letzte Tropfen war, dass ich am Dienstag bei einer Wahl-Veranstaltung am Podium auftreten hätte müssen und für eine Partei werben, die nicht mehr meine politische Heimat ist.
Wann fiel denn der erste Tropfen in das Fass?
Gastinger: Der erste wirklich große Tropfen fiel Ende Mai, als das erste Mal von der Abschiebung von 300.000 Ausländern die Rede war. Damals habe ich auch Hubert Gorbach angerufen und mein Herz ausgeschüttet.
Und trotzdem haben Sie sich als BZÖ-Vize unter Obmann Peter Westenthaler wählen lassen?
Gastinger: Das ist eine Loyalitätsfrage. Das ist wie in einer Beziehung, wo es kriselt, und du immer die Hoffnung hast, es wird besser. Ich habe in der Illusion gelebt, dass ich als Vize-Chefin meine Vorstellungen besser einbringen kann.
Wen soll man jetzt wählen, wenn man Sie als Justizministerin will?
Gastinger: Ich kann keine Wahlempfehlung abgegeben. Aber bis jetzt habe ich nur vom Kanzler gehört, dass er sich eine unabhängige Justizministerin vorstellen kann.
Zur Person
Karin Gastinger (42) gab am Montag dieser Woche, nur sechs Tage vor der Nationalratswahl wegen des "ausländerfeindlichen" Wahlkampfs ihren Austritt aus dem BZÖ bekannt. Nach dem Rücktritt ihres Amtsvorgängers Justizminister Dieter Böhmdorfer im Juni 2004 hatte die FPÖ die damals parteifreie Kärntner Wasserrechts-Beamtin ins Justizressort entsandt. Am 19. Juli 2006 brachte Gastinger Sohn Max zur Welt.