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Grüne: Ein Professor, der Widerspruch einfordert

Eva Glawischnig, Joschka Fischer und "geheime" Gelehrte - auf wen Alexander Van der Bellen hört.

Die Haltung eines Universi täts-Professors hat sich Alexander Van der Bellen bewahrt. "Er liebt den Widerspruch, er fordert ihn sogar von uns. Ja-Sager sind ihm eigentlich suspekt", erzählt Lothar Lockl. Und er sollte es wissen. Denn der Global-2000-Veteran ist nicht nur Van der Bellens Pressesprecher, sondern auch einer der wichtigsten Vertrauten des Grünen-Chefs.

Wie auch jene zwei Frauen, die im Polit-System des Professors die zentralen Rollen einnehmen: Grünen-Bundesgeschäftsführerin Michaela Sburny - sie wirkt vor allem nach innen, organisiert und bündelt Prozesse. Und Eva Glawischnig - sie wirkt nach außen, als flotte Animateurin, die auch die höheren Funktionäre (also auch Van der Bellen) mit ihrer Agilität mitzureißen vermag.

Und auch jener Mann, der als "Erfinder" Alexander Van der Bellens gilt, der ihn 1994 ins Parlament geholt hatte, ist heute noch einer seiner effizientesten Ratgeber: Peter Pilz. "Er hat einen Zugang zur Politik wie ein 25-Jähriger. Er ist stets zwei, drei Schritte voraus", sagt ein Parteifreund über den umtriebigen grünen Sicherheitssprecher und Vordenker. "Und er ist sicher auch mehr Teamplayer als früher". Eine weitere wichtige Mitspielerin Van der Bellens ist Doris Schmidauer, die "Personalchefin" der Grünen.

Lang gediente Grüne wissen allerdings auch zu berichten, dass Alexander Van der Bellen - und das ist recht neu in der Parteigeschichte - die Gremien ernst nimmt. Von der ersten bis zur letzten Minute nimmt er an den Partei-Sitzungen teil, hört zu und vermittelt den Funktionären das Gefühl, dass sie auf Entscheidungen tatsächlich Einfluss haben. Diese akzeptieren dafür weitgehend die Autorität des Parteichefs - was bei den Alternativen bekanntlich ja auch nicht immer der Fall war.

Für Anregungen aller Art - auch der unteren Chargen - ist Van der Bellen offen. Nur eines sollte man vermeiden: Ihm unausgegorene Vorschläge zu unterbreiten - da wird er nämlich leicht grantig.

Gerne holt sich der Grünen-Bundessprecher auch Feedback von außen. Mit "zwei bis drei" ehemaligen Professoren-Kollegen von der Uni trifft er sich regelmäßig zum (wirtschaftswissenschaftlichen) Gedankenaustausch. Deren Namen will er aber nicht nennen, "um ihnen nicht zu schaden".

Als Gesprächspartner aus der Riege der weltanschaulich Andersdenkenden schätzt Van der Bellen vor allem Volksanwalt Peter Kostelka, den früheren SPÖ-Klubchef.

Von den deutschen Grünen holt sich Van der Bellen bereits seit längerem Tipps für eine allfällige Regierungsbeteiligung in Österreich. Vor allem mit Joschka Fischer und Claudia Roth unterhält er recht regen Kontakt und versucht von deren Erfahrungen zu lernen.

Lothar Lockls Conclusio: "Van der Bellen bildet sich seine Meinung selber. Aber er will zuvor viele Meinungen hören." Das können auch Journalisten nach einer Audienz im grünen Hauptquartier bestätigen. Denn nach einem Van-der-Bellen-Interview ist es meist der Grünen-Chef, der die Fragen stellt - um vom politischen Beobachter zu erkunden, wie er denn die Dinge sieht, die das Land bewegen.

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