Mit Blumen als Geschenk mischte sich SP-Chef Gusenbauer am Viktor-Adler-Markt unters Volk.
Wien. "Ist doch schön so a Rose - und ein Zeichen der Freundschaft." SP-Chef Alfred Gusenbauer gab sich am Freitag Mühe, eine etwas skeptische Passantin von den Vorzügen des Presents zu überzeugen. Am Viktor-Adler-Markt im Wiener Arbeiterbezirk Favoriten starteten die Sozialdemokraten ihre "Aktionstage" gegen die Politik der Regierung. Sachthemen wurden mit der Bevölkerung zwar kaum diskutiert. Die 200 von Gusenbauer verteilten Rosen kamen bei den meisten Damen aber dann doch gut an.
"Mei, einmal treff' ich den Doktor Gusenbauer und dann hab ich g'rad den Mund voll", meinte etwa eine begeisterte Pensionistin. "In natura sehen Sie besser aus als im Fernsehen", lobte ein anderer Passant. Völlig überrascht reagierte eine rüstige Dame: "Ja gibt' s so was, dass Sie zu uns kommen", sagte sie und nahm die Rose samt SP-Broschüre entgegen. Eher erstaunt über Gusenbauers Rose reagierte eine andere Frau, sie ist Blumenhändlerin am Markt. "Ich verkauf' sie weiter", meinte sie zum SP-Chef und lachte dabei laut.
Doch trotz der überwiegenden Zustimmung - die SPÖ hat nicht nur Freunde am Viktor-Adler-Markt. Im vergangenen Herbst erntete an diesem Ort FP-Chef Heinz-Christian Strache bei seiner Rede Applaus. Jörg Haider war früher ebenfalls gern hier. Auch am Freitag waren deklarierte Blaue vor Ort: Eine kleine Gruppe Bier trinkender Männer meinte in Richtung SP-Chef: "Trau dich nur her in unsere Gasse, wir wählen Strache." Gusenbauer wählte einen anderen Weg und bog links ab. Einer resoluten Dame entkam der SP-Chef jedoch nicht: "Der gute Herr soll mal auf die Preise schauen", fauchte sie den SP-Chef an. Der Euro habe alles teurer gemacht. Gusenbauer sah nun die Gelegenheit für eine politische Botschaft: Nicht der Euro, sondern die Steuern der Regierung seien schuld an den hohen Preisen. "Ihr habt's halt immer a Ausred'", zeigte sich die Dame unzufrieden.
Sichtlich Freude hatte Gusenbauer beim Gespräch mit den Standlern. Einer wollte dem roten Obmann sogar drei Monate Garantie auf den Spargel geben. "Beim Eurofighter wird die Garantie immer weniger, beim Spargel aber mehr", scherzte Gusenbauer einige Minuten später. Etwas weniger gut schien die Kommunikation mit einer Dame im motorisierten Rollstuhl zu laufen. "Das ist ja praktisch", meinte Gusenbauer über ihr Gefährt. Der Konter der Frau: "Na ja, wenn man nicht mehr gehen kann, muss man fahren".
Die größte Freude hätte Gusenbauer wohl ein Mann gemacht, der außerhalb seiner Hörweite den prominenten Gast aus der Politik entdeckte. "Der Bundeskanzler ist da", meinte er irrtümlich.