SPÖ. Alfred Gusenbauer holt sich Denk-Anreize in privaten Runden und lässt sich von roten Wirtschaftskapitänen briefen. Nur in Medien-Dingen ist er noch leicht beratungsresistent.
Imma Palme hat sich schon ihre Gedanken gemacht: "Die SPÖ soll auf ihren Sachthemen draufbleiben - die Lage am Arbeitsmarkt, Gesundheit, Bildung." Zur Causa Bawag, "wohl nur ein kurzfristiges Thema", könne die SPÖ ja wenig beitragen. Und wie soll sie reagieren, wenn Schüssel und Co. nun die strahlenden Bawag-Retter geben? Da fällt auch der Expertin die Antwort schwer: "Ignorieren oder kritisieren."
Imma Palme ist Geschäftsführerin des (SP-nahen) Meinungsforschungsinstituts IFES und damit eine der wichtigsten Beraterinnen von SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer. Als "Einflüsterin" will sie nicht tituliert werden. "Gusenbauer hört auf viele - nicht nur auf mich."
Neben IFES liefert auch das Institut SORA Daten an die SPÖ. Dessen Chef Günther Ogris fehlt auf keinem SPÖ-Event und darf ebenso in die Riege der Gusenbauer-Consulter gezählt werden.
Dass guter Rat teuer sein kann, weiß man in der SPÖ spätestens seit 2002. Eine Million Euro war für den Großmeister der US-Spin-Doktoren, Stanley Greenberg, angeblich veranschlagt gewesen - die Personalkosten für dessen Mitarbeiter erhöhten die Summe noch deutlich.
Nun ist Greenberg wieder da. Er erstellt vor allem Analysen auf Basis von Daten, die ihm die SPÖ zur Verfügung stellt - die wiederum von IFES und SORA stammen. Greenberg bereitet diese für den roten Wahlkampf-Stab auf. "Die Letztentscheidung trifft aber der Parteichef", heißt es aus der Löwelstraße.
Und er trifft sie nicht mehr so einsam wie früher. Aber im engsten Kreis. Dazu zählen die beiden Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos und Doris Bures, Klubchef Josef Cap und Kommunikationschef Josef Kalina.
Der quirlige Kalina hat Linie in die rote Kommunikation gebracht. Gusenbauer hört auf ihn - aber auch nicht immer. So soll sich Kalina oft abmühen, Gusenbauer davon zu überzeugen, dass er TV-Journalisten nicht vor laufender Kamera abkanzeln soll, wenn sie kritische Fragen stellen. Publikumslieblinge wie Armin Wolf schroff anzubellen, kommt beim Wähler eben nicht gut an.
Was für Gusenbauers Position derzeit kaum erleichtert: Sein wichtigster Vertrauensmann in der Gewerkschaft hat sich in die Pension verabschiedet - Metaller-Boss Rudolf Nürnberger. Seine wichtigsten ÖGB-Verbündeten sind nun Drucker-Chef Franz Bittner und GPA-Chef Wolfgang Katzian.
Dafür hat sich das Verhältnis zu Wiens Bürgermeister Michael Häupl verbessert. Die beiden stimmen sich ab, besprechen Strategien und bisweilen blitzt sogar so etwas wie Herzlichkeit auf.
Darüber hinaus holt sich Gusenbauer gern Denk-Anreize von außen. Um die Stimmung unter opinion-leadern auszuloten, lädt er sich kleine Runden diverser Berufsgruppen zum Essen ein: Anwälte, Lehrer, Ärzte oder Unternehmer. "So ist er stets am neuesten Stand - vor allem im Bildungsbereich kennt er sich wirklich gut aus", meint ein Parteifreund.
In Wirtschaftsfragen berät er sich sowohl mit Hannes Androsch als auch mit Franz Vranitzky. Ebenso mit OMV-Boss Wolfgang Ruttenstorfer, Siemens-Chefin Brigitte Ederer, Salinen-Chef Thomas Joszeffi und Porr-Chef Horst Pöchhacker. Aber auch von SP-fernen Wirtschaftstreibenden wie Strabag-Boss Hans-Peter Haselsteiner lässt sich Gusenbauer gerne die Wirtschaftswelt erklären.
International tauscht sich Alfred Gusenbauer vor allem mit den Genossen in Spanien - er spricht recht gut spanisch - und in Skandinavien aus. Spaniens Ministerpräsident Jos© Luis Zapatero darf sich ab und an über Gusenbauer-Anrufe freuen. Mit dem norwegischen Ministerpräsidenten Jens Stoltenberg ist Gusenbauer ebenso befreundet. Morgen, Freitag, wird ihn der Norweger in Wien besuchen. Da kann er ihm dann berichten, wie es ist, Premier einer rot-grünen Regierung zu sein.