Für eingebürgerte Wähler gibt es eigene Broschüren.
WIEN. Nicht immer verstehen Wähler, was Politiker ihnen sagen wollen. Manchmal liegt das aber auch nur daran, dass sie eine Broschüre in der falschen Sprache erwischt haben. Denn um die Stimmen der Österreicher mit Migrationshintergrund zu gewinnen, werben ÖVP, SPÖ und Grüne auch in Serbisch/
Kroatisch sowie in Türkisch.
"Wir machen das aber nicht, weil wir glauben, die können nicht Deutsch", sagt im Gespräch mit der "Presse" die grüne Integrationssprecherin Terezija Stoisits. Man möchte nur speziell eingebürgerte Personen ansprechen. Es gehe einfach um eine freundliche Geste, betont die ÖVP. In der SP-Zentrale verweist man aber auch darauf, dass komplexe Themen in der Muttersprache besser verstanden werden.
Doch wie bringt man die richtige Broschüre zur richtigen Person? Die Parteien arbeiten mit den verschiedenen Kulturvereinen zusammen und legen dort ihre Broschüren auf. Die Grünen gestalten ihren Wahlkampf um Migrantenstimmen am offensivsten: So starten sie samt Broschüren eine eigene "Balkan-Beisl-Tour" durch Wiener Lokale, in denen sich vor allem Gäste aus dem einstigen Jugoslawien aufhalten.
Und in der SPÖ glaubt man sogar an einen Lerneffekt für Zuwanderer durch die Wahlwerbung. Denn in den SP-Broschüren steht neben der fremdsprachigen auch noch die deutschsprachige Version des Textes. Übrigens: Gusenbauers Spruch (siehe Faksimile) bedeutet schlicht "Neue Fairness braucht das Land". [Clemens Fabry]