Verweigerer. 27 Prozent gaben am Sonntag keine gültige Stimme ab oder blieben daheim: Platz eins für die "Parteilosen".
Wien. Nur auf den ersten Blick konnten die Sozialdemokraten die meisten Wähler für sich gewinnen. Denn die größte Gruppe der Wahlberechtigten verzichtete auf ihr demokratisches Recht - und gab keine gültige Stimme ab. 6,1 Millionen - so viele wie noch nie - durften am Sonntag zur Wahlurne schreiten. Gleichzeitig sank die Beteiligung (ohne Wahlkarten) unter 80 Prozent - und damit auf einen neuen Tiefstwert.
Genau genommen waren es 25,78 Prozent, die sich am Sonntag den Weg zur Wahlurne sparten, weitere 1,36 Prozent wählten ungültig. Ergibt zusammengerechnet 27,14 Prozent der Österreicher, die auf das Wahlergebnis keinen Einfluss nahmen.
So gerechnet kommt die stimmenstärkste Partei SPÖ nur auf 26,02 Prozent. Für die ÖVP stimmte nicht einmal mehr jeder Vierte. Und würde die Vier-Prozent-Grenze für den Einzug in den Nationalrat aus der Zahl der Wahlberechtigten berechnet werden, dann wäre das BZÖ mit drei Prozent nicht mehr im Parlament vertreten.
Die "faulsten" Wähler sind traditionell in der Bundeshauptstadt zu Hause: Nur 65,2 Prozent der Wiener verspürten das Bedürfnis, ihre politische Meinung kundzutun. Hingegen ist die Wähler-Welt im Burgenland noch in Ordnung: Dort folgten 84,1 Prozent dem Ruf der Demokratie.
Aufgrund des drastischen Anstiegs der Nichtwähler (minus zehn Prozent gegenüber 2002) wurde nun eine Internet-Petition ins Leben gerufen - passenderweise unter der Adresse www.qualderwahl.at.
Die Initiative fordert, dass es am Wahlzettel künftig ein eigenes Feld mit dem Text "Ich bin mit keiner der Auswahlmöglichkeiten einverstanden" gibt. Bürger, die bisher einfach nur der Wahlurne fernblieben, könnten so deutlicher ihre Unzufriedenheit signalisieren. Sobald die Internet-Initiative 8000 Stimmen gesammelt hat, möchte man ein Volksbegehren einleiten.
Im Innenministerium kann man dem Vorschlag wenig abgewinnen. "Absurd", sagt auf Anfrage der "Presse" Robert Stein, Leiter der Abteilung für Wahlangelegenheiten im Innenministerium. Er habe auch noch nie gehört, dass es diese Möglichkeit in irgendeinem Land auf der Welt gebe.