Platz drei für die FPÖ ist noch nicht fix. Hingegen dürfte die Auszählung der Wahlkarten am Einzug des BZÖ in den Nationalrat nichts mehr ändern.
Wien. Die Wahl ist geschlagen, doch es bleibt spannend: Denn im bisherigen Ergebnis sind die meisten Wahlkartenwähler noch nicht einberechnet. Die Auszählung dieser Stimmen könnte noch einiges bewegen: Schließlich ist der Kampf um Platz drei zwischen Blau und Grün (21 zu 20 Mandate) sehr eng - und auch das BZÖ liegt nur knapp über der für den Einzug in den Nationalrat nötigen Vier-Prozent-Grenze. Fliegen die Orangen doch aus dem Nationalrat, könnte auch noch eine rot-grüne Koalition möglich werden.
Zur Ausgangssituation: 417.000 Österreicher hatten eine Wahlkarte beantragt. Die Stimmen jener Wahlkartenwähler, die am Sonntag in ihrem eigenen Regionalwahlkreis gewählt haben, wurden bereits ausgezählt. Übrig bleiben rund 240.000 bis 280.000 Wahlkarten: Diese werden erst am 9./10. Oktober ausgewertet.
Allerdings: Die Wahrscheinlichkeit, dass das BZÖ doch noch aus dem Parlament fliegt, sei im "Promillebereich", sagt im Gespräch mit der "Presse" Robert Stein, Leiter der Abteilung für Wahlangelegenheiten im Innenministerium. Das BZÖ dürfte nur etwa 1000 Stimmen unter den Wahlkarten benötigen, um über vier Prozent zu bleiben. Das scheint machbar, zumal rund 10.000 der ausständigen Wahlkarten auf Personen mit Kärntner Wohnsitz entfallen. Im südlichsten Bundesland erreichte das BZÖ am Sonntag sogar ein Viertel der Wählerstimmen.
Etwas skeptischer sieht die orange Situation hingegen ORF-Hochrechner Günther Ogris: Er glaubt, dass das BZÖ nur mit etwas "mehr als 50 Prozent" Wahrscheinlichkeit im Nationalrat bleibt.
Theoretisch könnte das BZÖ durch die Wahlkarten aber auch noch das knapp verfehlte Grundmandat in Kärnten schaffen. Dieses Szenario wird von Stein aber ebenfalls als unrealistisch eingestuft. Denkbar erscheint hingegen, dass die Grünen die FPÖ von Platz drei verdrängen: Das sei "durchaus möglich", meint der Statistiker Erich Neuwirth. Denn die Grünen schnitten in der Vergangenheit bei Wahlkartenwählern stets besser ab als die FPÖ.
Auch die ÖVP ist bei Wahlkartenwählern beliebt: Trotzdem dürfte der Rückstand von zwei Mandaten auf die SPÖ nicht aufzuholen sein. Daher wird es im Streit um die stärkste Partei keine Rolle spielen, dass ein SP-Mandat an den Liberalen Alexander Zach geht.