Dass sie Karriere in der falschen Partei macht, hat Gastinger erst spät erkannt.
Wien. "Narrisch" werde sie manchmal, wenn sie sich die Polit-Debatten zur Zuwanderung anhöre. Und sie ärgere sich über das konservative BZÖ-Weltbild. Das sagte Justizministerin Karin Gastinger schon im Mai im kleinen Kreis. Nun dürfte ihr klar geworden sein, was andere schon lange wussten: Das BZÖ ist die falsche Partei für eine liberale Politikerin wie sie.
So plötzlich wie sie ihren BZÖ-Rückzug bekannt gab, so plötzlich war Gastinger in die Politik gekommen. Die FPÖ zauberte die heute 42-Jährige im Jahr 2004 nach dem Rücktritt von Dieter Böhmdorfer als Justizminister aus dem Hut. Bis dahin war sie Wasserrechtsbeamtin in der Kärntner Landesregierung. Juristenkreise reagierten skeptisch auf die neue Ministerin. Auch Gastingers "Erfinder" Jörg Haider untergrub zu Beginn Gastingers Seriosität: Er bezeichnete sie beim ersten gemeinsamen Auftritt bei einem Autorennen als "Boxenluder".
Beliebter als ihre Partei
Doch Gastinger, seit Juli auch Mutter eines Sohnes, überraschte: In Justizkreisen wird sie heute als kompetente Sachpolitikerin geschätzt. Ihre Beliebtheitswerte in der Bevölkerung liegen über jenen des BZÖ. In ihrer eigenen Partei hingegen stießen Gastingers Ideen (etwa der Homo-Pakt) öfters auf Ablehnung. Parteipolitikerin wollte Gastinger zunächst auch gar nicht sein. Sie trat nie der FPÖ bei, nach der Parteispaltung aber wurde sie BZÖ-Vizechefin. Ihre Hoffnung, dass die neue Bewegung liberaler sein würde, hat sie nun endgültig begraben.