Werber kritisieren grüne "Bürger"-Kampagne. Blau-oranger Werbe-Krieg hält an.
WIEN. Häme der etablierten Werber erntet derzeit die grüne Wahlkampagne: Von den Großplakaten blicken nicht die Spitzenpolitiker der Oppositionspartei, sondern besorgte "Normalbürger", die sich Reformen - vom Bildungs- bis zum Ausländerbereich - wünschen. "Die Grünen schauen zum ersten Mal alt aus und haben auch die Urbanität verloren", meint Hemma Sassmann, zuständig für die VP-Werbekampagne. Alois Schober, der für die SPÖ wirbt, glaubt sogar, dass die Grünen mit diesem Wahlkampf "viel Kapital verspielen".
Lothar Lockl, Kommunikationschef der Grünen, lässt sich von diesen Kassandrarufen nicht aus der Ruhe bringen. Man habe "extrem viele Reaktionen" auf die Sujets bekommen. "Wir unterscheiden uns von den anderen, regen auf, man diskutiert darüber, es geht um echte Themen." Aus Sicht der Grünen ist die Aktion daher "super gelungen". Auf Dauer verstecken wird man die eigenen Politiker aber im Wahlkampf nicht. In der nächsten Werbe-Welle sollen sie zu sehen sein.
Die wenig schmeichelhaften Reaktionen der Werber interpretiert Lockl so: "Es ist ein Tabubruch in der Branche, auf eine junge Agentur statt auf die klassischen Waschmittel-Leute zu setzen." "Super-Fi" wirbt diesmal für die Grünen.
Während die ÖVP (vertreten durch die heuer von Ogilvy-Werbern gegründete Agentur campdavid) auf einen ruhigen, klassischen Kanzler-Wahlkampf setzt, reitet die SPÖ (mit Hilfe von Young & Rubicam) wilde Sprüche-Attacken gegen die ÖVP und plakatiert sogar den politischen Gegner: "Lügner" Schüssel - ebenfalls ein neues Stilmittel und heftig umstritten.
Aber am genauesten betrachten derzeit wohl FPÖ und BZÖ ihre gegenseitigen Plakate. Jeder will dem anderen Strafen aufbrummen: So meinen die Blauen, dass auch nach der letzten Freitag ergangenen Einstweiligen Verfügung noch neue verbotene Plakate des BZÖ aufgestellt wurden. Das BZÖ darf sich bekanntlich nicht mehr "Die Freiheitlichen" nennen. Gleichzeitig sagen die Orangen, dass sie nach wie vor verbotene blaue Plakate erblicken: Die FPÖ darf auf ihren Plakaten nicht mehr von einem "ÖVP/BZÖ-Wahlbetrug" sprechen. Dringen die Parteien mit ihren gegenseitigen Strafanträgen vor Gericht durch, dann freut sich übrigens der Staat. Ihm kommen die Bußgelder nämlich zu Gute, damit werden Kosten im Justizbereich gedeckt.
Und wie beurteilen die rot-schwarzen Werber die blaue und die orange Kampagne? "Ein derartiges Theater habe ich überhaupt noch nicht erlebt, die ultimative Verwirrung", meint Schober. Sassmann tut sich schwer, einen Gewinner auszumachen, weil sie beide im Auftritt "letztklassig" findet. Aber: "Im Limerick-Reimen ist Strache besser."