Wahl-Höhepunkt: Bawag als Bumerang

Die Ausgangslage vor dem TV-Duell Wolfgang Schüssel gegen Alfred Gusenbauer.

WIEN. Die SPÖ hofft darauf, ihre Kernthemen wie Soziales und Bildung durchzubringen, die ÖVP wird ihre Regierungstaten rühmen. Das und die Frage, wer den schmutzigeren Wahlkampf betreibt, wird wohl das heutige "Kanzlerduell" dominieren. Und zwar zu einem früheren Zeitpunkt als die bisherigen Konfrontationen: Wolfgang Schüssel und Alfred Gusenbauer treten um 21.10 Uhr gegeneinander an. Wobei das schwierigste Terrain für beide die Bawag-Affäre ist.

Die Ausgangslage: Die ÖVP liegt in allen Umfragen konstant - um rund drei Prozentpunkte - vor der SPÖ. Die aggressive Wahl-Auseinandersetzung könnte aber zuletzt beiden geschadet haben. Zwar hat es die jeweils eigenen Wahlhelfer mobilisiert, aber die Bürger noch mehr politikverdrossen gemacht. Die Zahl der Unentschlossenen scheint diesmal besonders hoch zu sein.

Erklärte Werbestrategie der SPÖ ist es, aus ÖVP-Wählern zumindest Nichtwähler zu machen. Daher sind Attacken gegen den "Lügen"-Kanzler eines der Herzstücke des roten Wahlkampfes. Die SPÖ will den Wählern einen "Richtungswechsel" schmackhaft machen. Die ÖVP setzt umgekehrt auf die Kanzlerfrage, in der Hoffnung, dass Gusenbauer hier blass ausschaut. Zu diesem Kalkül gehört, dass sich Schüssel nicht allzu sehr in die Niederungen parteipolitischer Auseinandersetzungen begeben soll. Deswegen nimmt er zum ersten Mal im Studio Platz, der SP-Chef hingegen schon zum vierten Mal. Schüssel ließ sich bisher von Karl-Heinz Grasser, Martin Bartenstein und Josef Pröll vertreten. Das einzige Mal, wo bundesweit eine Art "Team" der Volkspartei sichtbar gemacht wurde. Auf Länderebene ist das anders: Zum Beispiel wird die Spitzenkandidatin der VP-Niederösterreich, Liese Prokop, landesweit plakatiert.

Dass die Bawag nach einer für die ÖVP unangenehmen Pflegediskussion im Hochsommer nun wieder in den Mittelpunkt der Debatten gerückt ist, bringt die SP-Wahlhelfer zur Verzweiflung. Eine Million Schilling Beraterhonorar Wolfgang Flöttls an Franz Vranitzky - das regt die Bürger auf. Ginge es nach Gusenbauer, ist die ganze Bawag-Affäre im Duell gegen Schüssel überhaupt kein Thema. Aber auch Schüssel tut sich damit schwer. Attackiert er hier zu scharf, kann ihm das als zu "dirty" und wenig staatstragend ausgelegt werden. Außerdem kann Gusenbauer dann über ein Komplott zwischen ÖVP und Justiz sinnieren.

Die letzten Tage haben noch neuen Zündstoff gebracht: Frauenproteste gegen Schüssels Sager über die "Feministentruppe", und die Verwicklungen des liberalen Quereinsteigers auf der SP-Liste, Alexander Zach, in dubiose Zahlungen von Hans Peter Haselsteiner. Die Stunde wird also ziemlich knapp werden.


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