VP: Kanzler verteilt Fußbälle und Seitenhiebe

VP-Wahlkampfauftakt. Schüssel will keinen Innenminister Westenthaler und versucht, den Grünen Konkurrenz zu machen.

Graz. "Wolfgang Schüssel Supertyp", stand auf einem Plakat zu lesen. Ein VP-Anhänger trug sogar ein Trikot des österreichischen Fußball-Nationalteams mit dem Schriftzug "W. Schüssel". Allerdings: Die ÖVP möchte im Kontrast zum Nationalteam siegen. Darum schwor man am Samstag die rund 8000 Partei-Anhänger beim VP-Wahlkampfauftakt am Grazer Hauptplatz auf einen erfolgreichen Wahlgang ein.

Rot-weiß-rote ÖVP-Schals wurden an das Publikum verteilt und anschließend fleißig geschwungen. Eine Blasmusikkapelle spielte mit den aus den Lautsprechern kommenden Pop-Tönen um die Wette. Dann aber durften endlich die Politiker ran. Den Anfang machten die Gastgeber: Der Grazer VP-Bürgermeister Siegfried Nagl und der steirische Vize-Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer. Ihre Mission war ein Frontalangriff auf die SPÖ. Diese könne nicht wirtschaften, ihre gegen die ÖVP gerichteten Wahlplakate seien peinliche Lügen.

Danach schlug die Stunde der ÖVP-Minister und jeder durfte seine eigene Politik loben. Finanzminister Karl-Heinz Grasser hatte aber auch Lob für das Publikum parat. Er bedankte sich, dass alle so brav und korrekt Steuern gezahlt haben. Und damit trotz seines Auftritts bei einer VP-Wahlkampfveranstaltung auch ja keine Zweifel aufkamen, hob Grasser noch mal ausdrücklich hervor: "Ihr wisst, dass ich unabhängig bin."

Nun war es Zeit für den Kanzler: "Jetzt lasst's mi reden", sagte Schüssel, um den Applaus seiner Anhänger zu beenden. Als Belohnung für ihre Aufmerksamkeit, bekam das Publikum gleich zwei Pointen des Kanzlers serviert. Er begrüßte die Anhänger aus allen Teilen Österreichs, darunter die Burgenländer aus dem "Nahen Osten". Und er appellierte an den Grazer Bürgermeister Nagl, er solle auf seinen kleinen Sohn aufpassen. "Denn Berufsentscheidungen werden manchmal in der Sandkiste getroffen."

Ein klarer Seitenhieb auf SP-Chef Alfred Gusenbauer. Dieser soll bekanntlich in der Sandkiste den Berufswunsch "Bundeskanzler" geäußert haben. Damit dieser Wunsch nie in Erfüllung geht, hob Schüssel die aktuellen Erfolge unter seiner Kanzlerschaft hervor. So habe man im Wirtschaftswachstum sogar die Amerikaner überholt. Dazu komme die Trendwende am Arbeitsmarkt: Jeden Tag würden 150 neue Arbeitsplätze geschaffen werden, so Schüssel. Eine junge Frau aus dem Publikum nahm die Nachricht mit Interesse auf. "Wo kann man sich nach diesen Jobs erkundigen?", fragte sie.

Am Arbeitsmarkt hat die ÖVP weitere Ziele: In den kommenden vier Jahren sollen insgesamt 150.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden. Die Zahl der Arbeitslosen will man um 30.000 bis 40.000 Personen reduzieren.

Schüssel plädierte auch für weitere Bürokratie-Reformen. "Es muss der Akt laufen, nicht der Mensch". Und der Kanzler wilderte in den Gefilden der Grünen: Er trat dafür ein, dass der Anteil der erneuerbaren Energie bis zum Jahr 2020 von momentan 20 Prozent auf 45 Prozent erhöht wird: "Wir müssen unabhängig werden von Erdöl und Erdgas."

Kritik übte Schüssel an Personen, die alles schlecht reden wollen (gemeint waren wohl SPÖ-Politiker). Die ÖVP werde im Wahlkampf mit positiver Stimmung punkten. Einen kleinen Seitenhieb erlaubte sich der Kanzler zum Abschluss trotzdem noch. Ziel war BZÖ-Chef Peter Westenthaler, der VP-Innenministerin Liese Prokop ablösen will: "Wenn dieser Jemand glaubt, er wird Innenminister, dann habe ich sehr starke Zweifel, dass der auch nur in Nähe dieses Ministeriums kommt." Nach den politischen Seitenhieben schoss er noch Fußbälle ins Publikum.


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.