Wahl: Wenn Schüssel den roten Knopf drückt

Reportage. Wolfgang Schüssel hat ein "Heimspiel" in einem kleinen oberösterreichischen Ort. Beim Betriebsbesuch schmückt sich die ÖVP mit Wirtschaftskompetenz, grünen Inhalten und Basisnähe.

PETTENBACH. Es sollte ein Heimspiel für den Kanzler sein. Pettenbach, ein kleiner Ort bei Wels. Ländlicher Raum - da, wo die typischen ÖVP-Wähler zu Hause sind. Und wo auch Schüssel selbst einmal zu Hause war. Als kleines Kind hat er eine Zeit lang hier gelebt. "Ich habe aber keine Erinnerung mehr daran", sagt er. Mitten im Ort steht eine Fabrik, und die besucht er jetzt als Bundeskanzler.

Günter Fronius begrüßt die Besucher an der Tür. Er ist der Firmengründer, ein netter älterer Herr, der aussieht wie 80. Der aber, wie sich bald herausstellt, 99 Jahre alt ist. 1945 ist er aus Siebenbürgen zugewandert, hat hier bei Null begonnen.

"Hätten Sie gedacht, dass das alles einmal so wird?" fragt Schüssel leutselig. Der Senior kontert selbstbewusst: "Geplant habe ich das immer schon." In Pettenbach steht eines der Werke von Fronius International, einem jener mittelständischen Familienunternehmen, die das Rückgrat der heimischen Wirtschaft bilden. 1622 Mitarbeiter sind in den Werken in Österreich, Tschechien und der Ukraine beschäftigt. Der Spezialist für Schweißtechnik hat sich in den vergangenen Jahren auch in einer Zukunftsbranche etabliert: in der Solarelektronik, wo man mittlerweile nach eigenen Angaben schon die Nummer zwei in Europa ist.

Für Schüssel ist das die optimale Gelegenheit, seinen Wahlkampf-Schwerpunkt Energiepolitik zu präsentieren. "Die Photovoltaik ist keine Orchideentechnologie sondern die Technologie der Zukunft", sagt ein Firmenmitarbeiter bei einer kleinen Präsentation für Schüssel und Landeshauptmann Josef Pühringer. In fünf Jahren könne die Technologie in südlichen Ländern wettbewerbsfähig sein, in zehn Jahren in Österreich. Schüssel greift das hingeworfene Hölzel dankbar auf. "Wir brauchen eine Energiewende", sagt der Kanzler. "Ein neues Zeitalter ist im Entstehen. Österreich kann da vorne dabei sein." Der Anteil der erneuerbaren Energie solle in Österreich bis 2020 von 22 auf 45 Prozent mehr als verdoppelt werden - eine Ansage, die sehr an die Forderungen der Grünen erinnert, und diesen wohl auch den Wind aus den Segeln nehmen soll.

Auch Brennstoffzellen (Energiegewinnung aus Wasserstoff) produziert Fronius. Schüssel darf auf den roten Knopf drücken, und die Brennstoffzelle treibt ein Schweißgerät an. Pühringer versucht sich selbst als Schweißer, Schüssel verzichtet auf diese Erfahrung.

Dann die Betriebsbesichtigung. Schüssel schüttelt Hände, fragt die Arbeiter nach ihrer Tätigkeit, ordert im Aufenthaltsraum einen Kaffee. "Wie gefällt's Ihnen bei der Firma", fragt er. Die Antworten sind - wenig überraschend - durchwegs positiv. Bei einer hübschen Arbeiterin hält er sich lange auf. "Ja, ja, die Männer sind alle gleich", kommentieren das die Kolleginnen. Etwas verschüchterter reagiert der Lehrling, der erst seit fünf Tagen im Betrieb ist, auf den hohen Besuch. Verschämt feilt er während des Gesprächs mit dem Kanzler weiter an seinem Werkstück herum. "Wie viele Lehrlinge habt Ihr denn?", fragt Schüssel. Und ist hoch zufrieden, dass derzeit hundert Jugendliche ausgebildet werden: "Wenn das jeder mittlere Industriebetrieb machen würde, wäre schon viel geholfen."

Klubklausur der ÖVP

Wahlkampfauftritte standen am Donnerstag auf dem Programm der VP-Klubklausur in Oberösterreich.

Heute, Freitag, wird zunächst hinter verschlossenen Türen der VP-Bundesparteivorstand tagen. Dabei geht es auch um die bisher noch nicht fixierte Bundesliste der ÖVP für die Nationalratswahl.

"Zukunftsgespräche" zu den Themen Arbeit, Sicherheit und Soziales stehen danach auf der Tagesordnung. Am Podium werden Experten diskutieren. Spitzenkandidat Schüssel will anschließend das Wahlprogramm seiner Partei präsentieren.


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