Rudi Carrell: Nicht ohne Gag in den Himmel

Nachruf. Mit Rudi Carrell verlässt einer der letzten Großen die Fernseh-Showbühne.

Er glaubte nicht an das ewige Leben. Auch nicht im Angesicht des Todes. Vorsichtshalber hat er sich aber trotzdem so gewissenhaft darauf vorbereitet wie auf jede seiner Shows. Denn er wusste: "Witze kann man nur aus dem Ärmel schütteln, wenn man sie vorher hineingesteckt hat." Als Rudi Carrell also im Dezember sein letztes "7 Tage - 7 Köpfe" vorbereitete, schrieb der vom Krebs schwer gezeichnete 71-Jährige ein E-Mail an die Kollegen: "Gags, die wir diesmal nicht gebrauchen, hebe ich auf. Wenn ich in den Himmel komme, werde ich damit etwas nebenbei verdienen." Bis zum Schluss blieb er einer, der sich über alles und jeden lustig machte. Bis zum Sarkasmus.

Carrell, das war ein Profi seines Fachs. Schon der Vater war Conf©rencier und Showmaster, wenn auch kein so berühmter, wie es der kleine Rudolf Wijbrand Kesselaar einmal werden sollte. Die Mutter nicht zu vergessen, der Carrell einen "tollen Humor" bescheinigte. Schon mit 17 - noch vor dem Abschluss - verließ er die Schule, um in die Fußstapfen von Vater und Großvater zu treten und sich als Entertainer, Zauberkünstler, Bauchredner, Kasperltheaterspieler über Wasser zu halten, wie er es gewohnt war. Oft war in seiner Kindheit daheim das Geld knapp gewesen.

In den 1960er-Jahren kam der Durchbruch, erst in Holland, wo er ab 1959 die "Rudi Carrell Show" machte, ab 1969 auch im Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF). Rasch wurde aus dem gebürtigen Holländer ein "Wunderknabe". Vor allem sein Stil, der "beglückend vom teutonischen Durchschnittswitz abrückt", wie ein Kritiker lobend anmerkte, gefiel auf Anhieb - "was umso mehr verwundert, als er meilenweit vom gängigen Mainzer und Kölner Faschingshumor entfernt ist". Ab Februar 1971 lief die Show auch im ORF. Der Rest lief wie "Am laufenden Band" - Dutzende seiner Shows schrieben Fernsehgeschichte.

Der Spaßmacher Carrell, ganz in der Tradition vielseitiger niederländischer Unterhaltungskünstler   la Lou van Burg aufgewachsen, schreckte nie vor billigen Kalauern und Gags zurück: Kein Tortenwurf war ihm zu peinlich. Die Deutschen liebten den leichtfüßigen Klamauk und den drolligen Akzent. Seine Perfektionswut, die Kollegen in die Verzweiflung treiben konnte, stand im krassen Gegensatz zum öffentlichen Bild. Dass er sich bisweilen wie ein Diktator aufführte und Mitarbeiter dem Kettenraucher den Aschenbecher nachtragen mussten, passte nicht zum Spaßvogel-Image.

Carrell gab sich nie mit dem Erreichten zufrieden, stets suchte er nach neuen Ideen, nach TV-Innovationen und erfand sich selbst immer wieder neu: als Schauspieler in Filmklamotten, als Sänger oder Moderator. Als er im Februar die "Goldene Kamera" für sein Lebenswerk in Empfang nahm, war er bereits bis auf die Knochen abgemagert. Doch aus seiner piepsenden Stimme sprachen Witz und Selbstironie. Das Publikum dankte mit stehenden Ovationen, die Tränen der Rührung in den Augen - und ein Lächeln im Gesicht.

Am Freitag ist Rudi Carrell, wie es heißt, "friedlich eingeschlafen".

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