Michael Kuhn wurde als "Krone"-Chefredakteur dienstfrei gestellt.
Wie ein Gast wurde Michael Kuhn am Dienstag um elf Uhr in der "Kronen Zeitung" empfangen. Das hat wenig mit Freundschaft zu tun. Vielmehr dachte "Krone"-Herausgeber und Hälfte-Eigentümer Hans Dichand gar nicht dran, Kuhn - der vor dem Arbeitsgericht erfolgreich seine Entlassung als geschäftsführender Chefredakteur angefochten hat - an seinen Arbeitsplatz zurückkehren zu lassen. "Ich bekam einen Brief, von Hans Dichand und Geschäftsführer Wolfgang Altermann unterschrieben, in dem steht, dass das Dienstverhältnis bis zur Beendigung des Rechtsstreits fortbesteht, dass ich aber mit sofortiger Wirkung dienstfrei gestellt bin", berichtete Kuhn der "Presse". Jetzt muss Kuhn bei vollen Bezügen spazieren gehen.
Und die WAZ? Der dürfte einiges, was da in der "Krone" passiert, nicht recht sein: Dass ein hoch dotierter Chefredakteur an der Arbeit gehindert wird, zum Beispiel; oder dass ein amtierender Chefredakteur (Dichands Sohn Christoph) auf den sich ändernden Markt (im September erscheint mit "Österreich" ein Blatt, das vornehmlich dem Boulevard Terrain streitig machen wird) bis dato nicht reagiert. Die WAZ, die Kuhn ja als ihren Vertrauensmann an die Seite Christoph Dichands gestellt hatte, will dessen Dienstfreistellung jedenfalls "nicht hinnehmen" und "mit allen Mitteln" dagegen vorgehen. Als 50-Prozent-Partner bei der "Krone" steht sie auf dem Standpunkt, dass Dichand den von der WAZ in die Chefredaktion berufenen Kuhn nur im partnerschaftlichen Einvernehmen abberufen könnte. Und dieses Einvernehmen gibt es nicht.