Klimt: "Es ist wie bei Mikado"

Die Sponsorensuche beginnt zäh.

Es ist wie bei Mikado - der Erste, der sich bewegt, ist dran", sagt einer der Gefragten. Vorsichtiges Abwarten scheint angesagt bei den Größen österreichischer Wirtschaft und Industrie in der Frage nach einem Sponsoring für den Rückkauf einiger oder mehrerer Klimt-Bilder. Frank Stronach lehne dankend ab, ließ Magna-Sprecher Daniel Witzani die "Presse" wissen. Allerdings habe er noch keine offizielle Anfrage bekommen. "Es ist noch niemand an uns herangetreten", heißt es auch in der "Erste Bank". "Der wirtschaftliche Erfolg steckt natürlich den Rahmen für den möglichen Mitteleinsatz ab", formulierte es Peter Püspök, Generaldirektor der Raiffeisenbank NÖ-Wien. Baumax-Chef und Kunstsammler Karl-Heinz Essl schlug vor, Reserven der Nationalbank anzuzapfen - Nationalbank-Gouverneur Klaus Liebscher winkte sogleich ab. Spekuliert wird über einen Einsatz von Ex-Billa-Chef Karl Wlaschek.

Die Zeit drängt: Zehn Tage lang, also noch bis Mitte nächster Woche, hat die Republik Zeit, ein Kaufinteresse an den Klimt-Bildern anzumelden, so steht es in der Zusatzvereinbarung zum seinerzeitigen Schiedsvertrag. 30 Tage sind in diesem Fall für Verhandlung und Mediation vorgesehen. Diese Frist sei allerdings verlängerbar, heißt es in der Regierung. Mit einem Entgegenkommen der Erben ist nicht mehr zu rechnen: Die österreichische Regierung habe es "nicht verdient, dass ich so lieb bin", hatte Bloch-Bauer-Erbin Maria Altmann am Dienstagabend der "Presse" erklärt. Allein die "Dame in Gold" wird auf bis zu 120 Millionen Euro geschätzt.

"Die Bundesregierung, die das Ganze vergeigt hat, zahlt die Hälfte, ein Viertel könnte durch Sponsoring aufgebracht werden und ein Viertel durch die Privatwirtschaft", schlägt Hannes Androsch nun im Gespräch mit der "Presse" vor. Das wäre ein patriotischer Akt, denn "so eine Schande darf uns nicht passieren". Die Regierung bleibt jedoch dabei - einen Rückkauf könne man sich nicht leisten, bekräftigte Nationalratspräsident Andreas Khol.

Johann Kräftner, Direktor des Liechtenstein-Museums, sieht schwarz: "Wenn ich mir denke, was für ein Zirkus es war, in zehn Jahren die Hälfte des Betrags für das Leopoldmuseum zu bekommen - und dass die Nationalbank heute noch daran zahlt!" Ein anderes Bild als die "Dame in Gold" zurückzukaufen, findet Kräftner nicht sinnvoll. Immerhin seien zwei der Bilder zuletzt sogar im Depot gelegen. "Also entweder sie sind wichtig oder nicht."

Strabag-Chef Hans-Peter Haselsteiner hatte zuletzt sogar "Überschüsse" aus dem Versöhnungsfonds zur Zwangsarbeiterentschädigung als Geldquelle vorgeschlagen. Dort winkt Generalsekretär Richard Wotava ab: "Das wäre erstens gesetzeswidrig, zweitens ist kein Geld mehr da." sim/bp/hws/no

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