ORF: "Es muss kein Kopf rollen"

Über Gleichbehandlung und - seltene - Frauenfeindlichkeit.

Monika Rupp wurde im Oktober 2004 zur Gleichstellungsbeauf tragten des ORF gewählt und ist Mitglied jener Untersuchungs-"Gruppe", die im Auftrag des Stiftungsrats unter anderem prüfen soll, ob es in der ORF-Informationsabteilung zu frauenfeindlichen Äußerungen und Androhungen von Jobverlust gekommen ist. Haben also die Einrichtungen des ORF versagt? Namentlich: Betriebsrat und Gleichbehandlungskommission? "Natürlich gibt es Instrumente im Haus, mit denen derartige Anschuldigungen überprüft werden können. Und die funktionieren auch. Aber wir veröffentlichen unsere Arbeitsleistung nicht am schwarzen Brett."

Es gehe, erklärt Rupp, ja darum, die Betroffenen nicht an die Öffentlichkeit zu zerren. Weder die Opfer noch die Beschuldigten. Das nährt die Kritik: "Natürlich gibt es Leute, die sagen: Es gibt keine Sanktionierung, also ist das ein schwaches Instrument." Dabei hat pflichtwidriges Verhalten dienstrechtliche Konsequenzen. Viel darf man(n) sich dann nicht mehr erlauben. Und die Missetäter müssen sich einer bestimmt nicht angenehmen Befragung stellen und stehen jedenfalls unter einer genaueren Beobachtung.

"Für mich ist nicht erst dann Schluss, wenn ein Kopf rollt oder eine Disziplinarmaßnahme getroffen wurde. Für mich ist die Sache erledigt, wenn die Betroffene sagt, es passt." Oft reiche ein Gespräch. Manchmal eine Mediation. Immer gehe es darum, was die Betroffene (bis dato ist Rupp noch kein Fall von geschlechtsbezogener - atmosphärischer - oder sexueller Belästigung von Männern untergekommen) will.

Mit einem "Zwangsouting", wie es jener Kollegin passiert sei, die den wenig schmeichelhaften Sager über ihr Gesäß (angeblich von ORF-Chefredakteur Werner Mück geäußert und Teil der laufenden Untersuchung) im "Profil" lesen musste, sei jedenfalls nicht geholfen, glaubt Rupp: "Gut gemeint ist das Gegenteil von gut." Schon gar nicht, wenn besagter Körperteil, wie im konkreten Fall geschehen, zum Kantinen-Witz wird.

Rupp versteht daher auch die Zurückhaltung der Frauen: "Manche kommen und erzählen mir ganz aufgeregt, was passiert ist - und dann wollen sie doch nicht, dass wir etwas unternehmen." Manche kommen auch gar nicht - etwa, weil Rupp ein gutes Verhältnis zu ORF-Generaldirektorin Monika Lindner nachgesagt wird. Tatsächlich verbindet die beiden eine gemeinsame Zeit bei "Willkommen Österreich". Nur: In Summe (Mitglieder und Stellvertreter) sitzen zwanzig Personen (50:50 Männer/Frauen; 50:50 Geschäftsführung/Betriebsrat) der unterschiedlichsten Abteilungen und Couleurs in der Kommission. "Wer mit mir nicht kann, kann sich an jedes andere Mitglied wenden."

Im Zuge der hitzigen ORF-Diskussion, in die "das Frauenthema unter anderen Themen als Treibmittel eingestreut worden ist und nicht mehr sachlich getrennt in Erscheinung tritt" (Rupp), bekommt der Betrachter leicht den Eindruck, im ORF wären Mobbing und Demütigungen der Mitarbeiter an der Tagesordnung. Rupp kann diesen Eindruck nicht bestätigen. "Eine Disziplinarmaßnahme war noch nie notwendig." Zwei Fälle hat die Gleichbehandlungskommission 2005 behandelt. Alles andere wurde im Vorfeld ausgeräumt: "Wir versuchen gleich, wenn ein Flämmchen auftaucht, den Mediator heranzuziehen." Flächenbrände sollen gar nicht erst entstehen.

Dabei reicht die Palette der Unzufriedenheit wegen (vermeintlicher) Ungleichbehandlung von der strukturellen Benachteiligung (falsche Einstufung der zu leistenden Aufgaben) bis zu "Einzelfällen" geschlechtsbezogener Belästigung. Oft gehe es um "Äußerungen, über die vor zehn Jahren niemand gesprochen hätte", meint Rupp. Die Frauen seien sensibler geworden. Und selbstbewusster. Sie sagen es schneller und auch laut, wenn ihnen etwas nicht passt. Nicht immer, aber immer öfter.

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