"Die Weberischen". Das Musical von Felix Mitterer hat am Montag in Wien Premiere.
"Life's a bitch", befinden die "Tiger Lillies" im Musical "Die Weberischen", das am Montag in der Halle E des Museumsquartiers Uraufführung feiert. Das Leben ist eine Hure - vor allem, singen sie, wenn die Schlampen die Männer in ihre Krallen bekommen. Jawohl.
Wilde Weiber. Falsch oder echt, sie haben die Massen schon immer vor die Musical-Bühnen dieser Welt gezerrt, die Mörderinnen aus "Chicago", die küssende Spinnenfrau, die süßen Transvestiten aus der Rocky Horror Picture Show. Jetzt bemühen dieses System auch die Vereinigten Bühnen Wiens (VBW). Gemeinsam mit dem "Wiener Mozartjahr 2006" stieg man auf Felix Mitterers Idee für ein Stück über die matriarchale Familie Constanze Webers, Mozarts Frau, ein.
Bei einem "freundschaftlichen Abendessen" mit VBW-Intendantin Kathrin Zechner, so die Legende, sei die Entscheidung gefallen, Mitterers Stoff als satirisches Musiktheater vertonen zu lassen. Die kongeniale Partnerwahl fiel dabei auf Martyn Jacques, falsettierendes Mastermind der morbiden Londoner Kabarett-Underground-Band "The Tiger Lillies". In Wien weltbekannt, weil omnipräsent, seit das bizarre Trio 2001 bei den Wiener Festwochen mit ihrer Interpretation des Struwwelpeters ("Shockheaded Peter") Erfolg hatten.
Seitdem sind sie mit ihren makabren Musik-Abenden, die u. a. von Sex mit Fliegen, Schafen und Toten handeln, Stammgäste im Rabenhof. Zuletzt besangen sie im Odeon Andersens "Mädchen mit den Schwefelhölzern" - wie die "Weberischen" ebenfalls eine der "Ronacher Mobile"-Produktionen, mit denen Zechner den Zeitraum bis zur Wiedereröffnung des Hauses überbrücken will. "Die Weberischen" so Zechner, "ist sicher beispielgebend für die ,neue Vielfalt', die ich meine: Unter ,Ronacher mobile' etabliere ich sie nun schon, um sie dann im neu sanierten Ronacher fortzuführen."
Was vermutlich erst 2008 oder später passieren wird können. Es gab Probleme mit den Anrainern. Über die Umbau-Kosten gab es verschiedene Berechnungen, mit und ohne Aufwand für die Finanzierung. Letzter Stand scheinen 46 Mio. Euro zu sein. Dagegen scheinen die variablen Kosten der "Weberischen" ein Klacks: Sie belaufen sich laut Intendanz auf 450.000 Euro. Buch und Kompositionskosten gehen als erteilte Auftragswerke zu Lasten des Mozartjahres.
Die Besetzung des fünfköpfigen Frauenhaushalts, der sich um Mozart schart und balgt, ohne ihm nur eine Auftritts-Chance zu lassen, klingt zwar eine Spur weniger glamourös als das Autor/Komponisten-Duo, doch hat man auch hier namhafte Theater-Profis gewinnen können. Unter Regie von Stephanie Mohr schlüpft neben Eva Maria Marold (Josefa), Ruth Brauer (Sofie), Tanja Schleiff (Konstanze) und Anne Weber (Aloisia) Schauspieler Robert Meyer, designierter Volksopern-Chef, in die "Kittelrolle" der als geldgierig gezeichneten Mutter Cilli.
Nach dem Tod ihres Gatten, so das Geschichtsbuch, versuchte Caecilia Weber ihre vier Töchter an den Mann zu bringen. Dass dieser gerade Wolfgang Amadeus heißen musste, der die deutsche Musiker-Familie 1777 in Mannheim kennen lernte, davon war vor allem dessen Vater Leopold allerdings weniger angetan.
Trotz des väterlichen Widerstandes verliebte sich der junge Komponist aber erst unsterblich in Aloisia, und später, als er in Wien bei den mittlerweile umgezogenen Weberischen zur Untermiete wohnte, in Schwester Constanze, die er 1782 auch heiratete. Aloisia sang später als erste die Donna Anna in "Don Giovanni". Sofia war die erste Königin der Nacht. Der Rest ist bekannt. Oder auch nicht.
Denn wie wild die Weberischen nun wirklich waren, darüber kann nur spekuliert werden, bestätigt Mozart-Experte Reinhard Eisendle vom Da-Ponte-Institut: "Man weiß nicht viel über Mozarts Frauengeschichten und erotisches Leben. Das ist auch der Grund, warum im Zentrum immer die Weberischen stehen - über die weiß man noch am meisten."