Theater: Drum schont nicht Prospekte und Maschinen!

Warum ist Theater so teuer? Eine Analyse aus Anlass einer "Presse"-Debatte über "Theater/Geld" kommenden Dienstag im Odeon.

Schauplatz Nestroys "Höllenangst" im Burgtheater, ein hochklassig besetztes, zirkusreifes Spektakel. Da fliegen Menschen durch die Luft, die Elemente toben, es stürmt und raucht. Teuflisch. Schauplatz-Wechsel zum "Rebecca"-Musical im Raimundtheater. Auch hier: Wasser, Feuer, Luft und Erde, wirbelndes Trockeneis und Großbrand am Ende. Special Effects sind offenbar Trumpf, nicht nur im Film, sondern auch im Theater. Ganz neu ist das nicht.

"Drum schonet mir an diesem Tag Prospekte nicht und nicht Maschinen", heißt es schon im "Faust". Das Niveau aber hat sich seit Goethes Zeiten stark verändert. Wie kostspielig Video, Light & Sound-Design sind, darüber gibt es im Detail selten Auskunft. Immerhin weiß man, dass Produktionskosten für Wiener Musicals mit 1,5 bis 1,7 Mio. Euro deutsche Kreationen bei weitem übertreffen. Die sehen aber auch ganz anders aus und haben kein Live-Orchester, pflegen die Experten dann zu sagen.

Wird der enorme Aufwand auch vom Publikum honoriert? "Nein", sagt Peter Loidolt, Intendant der Festspiele in Reichenau: "Im Gegenteil, je teurer das künstlerische Personal ist, desto billiger sind die Karten. Das Publikum nimmt offenbar die Qualität gar nicht zu Kenntnis." Immer wieder erschütternd: das Verhältnis zwischen Durchschnittspreis und Sitzplatz-Subvention. Staatsoper: 64 Euro Durchschnittspreis, 78 Euro Sitzplatz-Subvention. Burgtheater: 23/112 €, Josefstadt: 24/45 €, Volkstheater: 12/47 €, Klagenfurter Stadttheater 26/117 €, Vereinigte Bühnen Graz 31/117 €.

"Man würde annehmen, dass Oper durch den ganzen Aufwand mit der Musik kostspieliger ist. Das Gegenteil ist der Fall. Das Sprechtheater ist das Teure", so Loidolt. Für Bundestheater-Holding-Chef Georg Springer zählt anderes: "Welcher Weltkonzern kann schon von sich behaupten, seit 1999, streng genommen sogar seit 1995, laufend mit weniger Geld ausgekommen zu sein? Die Bundestheater jedenfalls können es."

Wenn Künstler zusammenkommen, reden sie über Geld. Wenn Geschäftsleute zusammenkommen, reden sie über Kunst, sagt man. Eine weitere Wahrheit ist, unter dem hehren Deckmantel der Kunst dreht es sich vor allem ums Geld. Künstler gehen dorthin, wo sie das meiste verdienen und die künstlerischen Ressourcen passen. Wien, Österreich kann mit alldem punkten.

Konstellationen müssen stimmen, heißt es häufig in Interviews, Teamgeist wird beschworen. Tatsächlich will ein A-Liga-Regisseur nur mit einem A-Liga-Bühnenbildner an einem A-Haus mit 1A-Schauspielern arbeiten - bei den Schauspielern ist es genauso. Die beste Qualität soll dabei herauskommen. Oft sind es bloß die höchsten Kosten.

Längst ist es gang und gäbe, dass Theaterschauspieler auch Film und Fernsehen machen, das war vor Jahren noch ein großes Thema unter dem Motto: Fernsehen ist B- oder C-Kunst. Jedenfalls ist hier mit weniger Kraftaufwand weit mehr zu verdienen, vom Bekanntheitsgrad ganz abgesehen. Den Künstlern kann man's nicht verdenken. Im Gegenteil, es ist wohl erfreulich, dass anders als noch vor zehn, 15 Jahren österreichische Schauspieler so präsent sind im TV.

Freilich kehrt insgesamt eine gewisse Nüchternheit ein in die Betrachtungsweise, wenn man sieht, wie Namen an einer imaginären Börse notieren, steigen und fallen, Regisseure in möglichst vielen Städten möglichst viel Geld auftreiben, auf dass für kleinere Initiativen immer weniger übrig bleibt, wenn Bühnenkunst von Ort zu Ort reist, immer die gleichen daran verdienen.

Natürlich ist das beim Film auch so, aber auf einer marktwirtschaftlicheren Basis als im Theater, das mit ungefähr 20 Prozent Eigendeckung (70-75 Prozent bei Festivals!) eine wahrhaft unrentable Kunstgattung ist.

Jahrzehntelang war das Theater, seiner Geschichte nach Hobby der Wohlhabenden, Aristokraten und Bürger, eine geschützte Werkstatt. Jetzt aber sind durch die Ausgliederung vieler Bühnen, in Österreich wie anderswo, früher gern geheim gehaltene Kennzahlen offenbar. Man sieht zum Beispiel, dass Bundesländerbühnen und sogar deutsche Theater einfach unglaublich viel weniger Geld von der öffentlichen Hand erhalten als die Bundestheater. Und das lässt manchen wohl weniger begeistert in den Chor der Kunstromantiker einstimmen, die für mehr Subventionen singen.

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