NEUER VOLKSOPERN-CHEF. Burgschauspieler Robert Meyer wird voraussichtlich kommende Woche vorgestellt.
Die Presse: Wurde Ihnen signalisiert, dass Sie sich um die Direktion bewerben sollen?
Robert Meyer: Nein. Aber ich bin von allen möglichen Seiten angesprochen worden, ob ich mich interessieren würde. Da hab ich mich dann selber gefragt: Will ich? Mir ist ja schon bewusst, dass das kein Spaziergang, sondern eine Riesenaufgabe wird. Ich bin dann längere Zeit in mich gegangen und schließlich habe ich mich beworben.
Gemeinsam mit dem Burgtheater-Chefdisponenten Rainer Schubert.
Meyer: Ja, das war eine Voraussetzung. Rainer Schubert kenne ich von der Volksoper, wo er in der Bachler-Zeit war. Er ist dem Musiktheater sehr verbunden.
In der Ausschreibung steht, dass man Erfahrung als Intendant haben sollte. Sie waren noch nie Theaterdirektor.
Meyer: Das stimmt. Aber es ist niemand als Theaterdirektor auf die Welt gekommen. Jeder, der ein Theater übernimmt, war vorher etwas anderes, Regisseur, Dramaturg, Schauspieler. Außerdem habe ich Schubert, der mir den Einstieg erleichtern wird.
Wie steht es finanziell um die Volksoper? Einerseits hört man, es ist genug Geld da. Das sagte z. B. Staatsoperndirektor Holender. Andererseits, der jetzige Direktor Rudolf Berger hat immer wieder gefordert, dass das Budget erhöht werden muss. Was ist Ihre Meinung?
Meyer: Die finanzielle Situation der Volksoper kenne ich natürlich nicht hundertprozentig. Ich kenne das Budget vom Bund und weiß, dass dieser Betrag mehr oder minder für die Fixkosten draufgeht: Orchester, Chor, der ganze Apparat. Da bleibt für die künstlerische Arbeit nicht viel übrig. Daher muss man vor allem darauf schauen, dass die Auslastung wieder steigt.
Momentan sind es rund 78 Prozent, die Staatsoper hat über 90 Prozent.
Meyer: Ich wäre überglücklich, wenn wir 84 bis 85 Prozent schaffen könnten. Das wäre eine Sensation und brächte viel mehr Geld in die Kasse. Soweit ich weiß, hat die Volksoper seit 1999 die Hälfte ihrer Abonnenten verloren. Die muss man zurückerobern. Wichtig ist ferner, dass man Sponsoren gewinnt. Das sehe ich als spannende Aufgabe.
Werden Sie selber auftreten?
Meyer: Ich habe seit zehn Jahren immer wieder an der Volksoper gespielt, den Sigismund im "Weißen Rössl", den Sancho Pansa im "Mann von La Mancha", den Frosch und den Doolittle in "My Fair Lady". Diese Aufführungen waren durch die Bank Publikumsrenner. Natürlich ist mir klar, dass ich kein Sänger bin. Aber besonders in der Operette gibt es sehr viele Sprechrollen, wo ich sagen würde: Da möchte ich Schauspieler sehen. Es haben ja auch immer wieder Burgschauspieler an der Volksoper gespielt: Fred Liewehr, Heinz Reincke, Michael Heltau, Karlheinz Hackl. Ich schließe nicht aus, dass ich auftreten werde. Allerdings nicht viel und ich werde mit Sicherheit den Spielplan nicht so gestalten, dass der Schauspieler Meyer beschäftigt ist. Das will ich nicht.
Werden Sie an der Volksoper inszenieren?
Meyer: Anfangs nicht. Nach einer gewissen Zeit kann ich mir das schon vorstellen.
Wie sieht Ihr Spielplan aus?
Meyer: Werke, Namen kann ich jetzt nicht nennen. Aber wenn man die Auslastung steigern will, kann man zumindest in der ersten Zeit keine Risken eingehen. Im ersten und zweiten Jahr wird es nötig sein, bekannte Stücke zu spielen, von denen man weiß, dass sie das Publikum sehen will. Später kann man dann etwas riskieren.
Suchen Sie einen neuen Chefdirigenten?
Meyer: Professor Leopold Hagers Vertrag läuft bis 2008, soweit ich informiert bin. Was dann geschieht, wird man sehen.
Die Volksoper muss sich neu positionieren zwischen Musical in Ronacher, Raimundtheater und der Oper im Theater an der Wien.
Meyer: Weder die Staatsoper noch das Theater an der Wien noch das Ronacher oder das Raimundtheater spielen Operette. Die gibt es nur an der Volksoper.
Und es sind keine kretinösen Geschichten, wie Staatsoperndirektor Holender gesagt hat.
Meyer: Ich habe Direktor Holender, als er das damals erklärt hat, durchaus verstanden. Es gibt Operetten, die ein so verblödetes Libretto haben, dass man sie nicht ertragen kann. Ich sage jetzt absichtlich keine Titel, weil da sind sicher welche dabei, die vom Publikum sehr geliebt werden. Es gibt aber auch Operetten mit guten Geschichten und schöner Musik, die weniger gespielt werden. Und man fragt sich, warum sind sie aus den Spielplänen verschwunden?
Wie kommen Sie mit Direktor Holender aus? Es wird ihm einiger Einfluss auf die Volksoper nachgesagt. Es heißt oft, man sei gut beraten, dort nichts gegen seinen Willen zu tun.
Meyer: Ich komme mit Direktor Holender sehr gut aus. Ich spiele ja den "Frosch" in der "Fledermaus". Natürlich bin ich da Schauspieler und nicht Direktor. Dass sich die Volksoper, vor allem bei Opern, mit der Staatsoper abstimmt, ist selbstverständlich. Bei Operetten, Musicals ist das aber egal. Ich habe mit Holender eine gute Beziehung und kann mir nicht vorstellen, dass wir in Auseinandersetzungen geraten könnten.
Haben Sie starke Nerven? Es ist ein großer Unterschied, ob man Künstler oder Direktor ist. Als Künstler muss man sensibel sein, als Direktor muss man schon mal den Holzhammer schwingen. Können Sie das?
Meyer: Ich glaube schon, dass ich das kann. Fragen Sie mich in zwei Jahren.
Hat Sie das Direktionsspiel genervt?
Meyer: Ich hatte gehofft, dass mein Name nicht genannt wird. Dann stand es in der "Presse". Da wusste ich, jetzt geht's los.