Ausschreibungsfrist endet am 7. Mai. Shakespeare-Zyklus 2006/07.
Burgtheater-Chef Klaus Bachler gab am Mittwoch bei der Vorstellung der nächsten Saison keine Empfeh lung für seine Nachfolge 2009. In Grenzen hält sich bisher auch, wie man hört, die Zahl jener, die eine offizielle Bewerbung für das Burgtheater abgegeben haben. Die Ausschreibungsfrist endet am 7. 5. Warum so wenig Nachfrage nach einem der begehrtesten Bühnen-Posten? Weil namhafte Persönlichkeiten gebeten werden wollen; vielleicht auch, weil viele annehmen, dass die Sache bereits gelaufen ist? Als Favorit gilt jedenfalls derzeit Matthias Hartmann; er kann Häuser füllen, als Intendant in Zürich wie in Bochum hat er das bewiesen. Sein Zürcher Vertrag läuft allerdings bis 2010.
Als weitere mögliche Bachler-Nachfolger werden in unterschiedlicher Intensität genannt: Frank Baumbauer, der Direktor der Münchner Kammerspiele, Ulrich Khuon, Intendant des Hamburger Thalia Theaters, oder der Schauspieler und Regisseur Sven-Eric Bechtolf. Als aussichtsreichste Frau gilt die Direktorin des Frankfurter Schauspielhauses, Elisabeth Schweeger.
"Sieben fette Jahre!" Mit diesem Selbstlob eröffnete Bachler seine Spielplan-Pressekonferenz. 150 Neuproduktionen habe es gegeben, obwohl das künstlerische Budget durch die eingefrorene Bundestheater-Subvention um vier bis fünf Mio. Â geschrumpft sei. Mit Shakespeare und zeitgenössischen Autoren setzt die Burg 2006/2007 einen Schwerpunkt: Jan Bosse inszeniert "Viel Lärm um nichts", Falk Richter bearbeitet und führt Regie bei "Julius Cäsar". Luc Bondy inszeniert erstmals im Haupthaus: "König Lear". Barbara Frey bringt den "Sturm" heraus, Karin Beier "Maß für Maß". Im Zeitgenossen-Programm gibt es Stücke von Peter Handke, Roland Schimmelpfennig, Neil LaBute, Ren© Pollesch. Erfolge statt Jammern um Geld lautet die Devise von Burg-Geschäftsführer Thomas Drozda. Die Auslastung beträgt bei 313.000 Besuchern 84 Prozent. Das Einnahmen-Soll wurde um 380.000 Â übertroffen, das Einspielergebnis liegt bei sechs Mio. Â. Auch beim Sponsoring sei man gut unterwegs. Bei einer Bundessubvention von 43 Mio. liegt die Burg-Eigendeckungsquote aber trotzdem nur bei 20 %.
Am 12. 5. beginnen für die Bundestheater wieder Gehaltsverhandlungen. Zuletzt wurde mit Streik gedroht. Nun sieht es so aus, dass Burgtheater und Staatsoper aufgrund ihrer guten Einspielergebnisse die Erhöhungen vermutlich aus Eigenem abdecken können. Bei Volksoper und Theaterservice-Gesellschaft dürfte die Holding helfen. Drozda wollte Mittwoch nichts zur Strategie der Arbeitgeber-Seite sagen. Er meinte nur, die Holding habe dem Burgtheater den Einnahmen-Überschuss überlassen.
"Eher Gas geben, als vom Gas weggehen" lautet Bachlers Motto für die nächsten Jahre. 2008 wechselt er als Intendant an die Bayerische Staatsoper: "Wir haben uns entschieden, viele Dinge nicht mehr zu machen. Das Programm der nächsten Spielzeit ist das radikalste bisher." Der Shakespeare-Zyklus wird 2007/2008 mit den Königsdramen fortgesetzt. Ferner erneuerte Bachler sein Versprechen vor seinem Abgang, noch beide Teile von Goethes "Faust" zu präsentieren, den schon sein Vorgänger Claus Peymann avisiert hat. Aus Bachlers großzügig besetzter Dramaturgie scheidet als Erster Wolfgang Wiens aus, der in den Ruhestand tritt, vorher allerdings noch die "Wallenstein"-Inszenierung von Andrea Breth betreut (mit Gert Voss; Premiere: 26. 10.).