"Ich hatte Ängste und Bauchweh"

Interview. Isabella Suppanz, Intendantin in St. Pölten, über Klischees und Erfolg.

Das wird ein Flop. Eine Riesen brezn. Wir werden zusperren müssen", erinnert sich Isabella Suppanz, seit Herbst 2005 Intendantin des NÖ-Landestheaters in St. Pölten, an die Unkenrufe zu Beginn: "Ich hatte Ängste und Bauchweh. Aber jetzt, wo ich merke, die Leute kommen und sagen, solche Aufführungen könnte man auch in der Josefstadt oder im Akademietheater sehen, da freue ich mich sehr. Ja, man sagt immer, St. Pölten ist Provinz. Aber das stimmt nicht. Die Leute sind hungrig, wollen etwas erleben, erfahren. Sie kommen nicht nur aus St. Pölten, sondern auch aus Wien, Baden, Mödling oder Retz. Es ist ein Theater für die Region, für das Land."

Dieses hat das ehemalige Stadttheater übernommen. Es gibt 2,8 Millionen Â€ jährlich, 500.000 € kommen vom Bund. "Die Tangente (Mindest-Einnahme) für das erste Jahr ist bewusst niedrig, und wir haben sie Gott sei Dank längst überschritten", sagt Suppanz: "Ich kann mit dem Budget umgehen. Zufrieden ist man nie. Wer braucht nicht mehr Geld? Aber das Theater ist gut in Schuss, es wurde vor zwei Jahren renoviert, die Technik, alles funktioniert bestens. Im Zuschauerraum haben wir ein paar Reihen herausgenommen, damit die Besucher bequemer sitzen." 80 Beschäftigte immerhin hat das Landestheater, 12 Schauspieler bilden das Ensemble. Gegen große Konkurrenz - "100 oder 120 Leute, soweit ich weiß, haben sich gemeldet" - hat die frühere Josefstadt-Dramaturgin, die auch Schauspielerin und Regisseurin ist, die Direktion der Bühne errungen. Ihr Vertrag läuft drei Jahre, mit einer Option auf ein Verlängerungsjahr.

"In Zeiten wie diesen ist um jedes Theater ein Mordsgriss, weil man froh ist, dass es überhaupt noch Sprechtheater gibt, nicht nur Events." Warum ist sie von der Josefstadt weggegangen? "Ich war damals für Karlheinz Hackl als Direktor und konnte mich mit dem Spielplan von Hans Gratzer nicht identifizieren. Das war eine ganz andere Linie. Ich muss aber sagen, ich wollte immer ein kleines, feines Theater führen, 330 bis 340 Plätze. Das ist eine große Chance, und ich mache es gern. Bis jetzt sind wir sehr gut ausgelastet, die Vorstellungen sind voll." Projekte? Mag sie nicht verraten.

Die Aufteilung - Musik, Musiktheater, Tanz im Festspielhaus, Sprechtheater im Stadttheater, dessen Orchester aufgelöst wurde, sowie die Off-Bühne "im Hof" - hätte sich auf jeden Fall bewährt. Wird die Kultur heute zu stark von wirtschaftlichen Überlegungen dominiert?

"Es wird viel davon gesprochen, in öffentlichen Reden, vom Dreieck Wirtschaft, Kultur und Politik, wobei ich immer sage: Die Hypothenuse kann nur die Kultur sein. Darüber kann man bauen, was man will." War der Umstieg von der zweiten in die erste Reihe schwer? "Ich brülle nicht, aber ich bin sehr zäh, übe eine sanfte Gewalt aus. Man muss die Leute mürbe machen, langsam und beständig. Das ist gescheiter, als auf den Tisch zu hauen." Gibt es ein Grundprogramm für einen Spielplan? "Nein, man muss wissen, was man will, warum man Stücke macht, und wie man sie anhebelt. Denken Sie an Grillparzers ,Goldenes Vließ', das ist ein psychologischer Autor, der über weibliche Psyche sehr viel wusste, wenn er es auch in Sätze verpackt hat, die manchmal unsäglich und manchmal unsagbar sind."

"Nehmen Sie ,Tartuffe' . . ." Da könnte man an einen ehemaligen Bischof in St. Pölten denken? Suppanz: "Nein, das wäre Kabarett. Man macht dieses Stück (es kommt mit Erwin Steinhauer in der Titelrolle in St. Pölten heraus), weil Heilsversprechen in der Luft liegen, weil es in all der Saturiertheit eine Bedürftigkeit nach Spiritualität gibt und die kann man fehlleiten. Man setzt Stücke aber auch an, weil sie Spaß machen, wie Feydeaus ,Katze aus dem Sack'. Und manchmal spielt man einfach, was man selber mag."

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