"It's not funny!" von Meg Stuart in Salzburg demonstriert Peinlichkeit, ist peinlich.
Warum sind Sie hergekommen? Wird irgendwann gefragt. Ja, wa rum? Sechs Stunden mit dem Zug von Wien nach Salzburg und wieder zurück. Für eine Uraufführung der angesehenen US-Choreografin Meg Stuart, Spezialistin für tänzerische Neurosen, Zivilisationskrankheiten. "Damaged Goods" heißt ihre Brüsseler Compagnie.
Eine Anspielung auf das Chaos der Welt mag man darin sehen, in dem Güter und Menschen wie Treibholz auf- und wieder abtauchen. Von Stuart führen Linien zu Marthaler, während seiner Direktion hat sie am Zürcher Schauspielhaus gearbeitet, und zu Frank Castorf, mit dessen Berliner Volksbühne sie eine Partnerschaft hat. Stuart steht für Cross-Over, sie kombiniert Schauspiel, bildende Kunst, Video mit Tanz. Diesmal freilich ist einiges schief gelaufen.
"Stell dir vor, du machst eine Show mit dem Titel ,It's not funny!' und hinterher gratulieren dir die Leute und sagen, dass es wirklich nicht komisch war." Wird Stuart im Programmheft zitiert. Nun, das wäre noch nicht das Schlimmste. Das Anliegen ist durchaus ehrenwert. Stuarts Kreation will an der polierten Oberfläche des Show-Business, der Comedy kratzen, das hermetische Virtuosentum knacken, seine Zerbrechlichkeit, Gefährdung zeigen, auch seine Absurdität in der Sucht nach immer neuen Superlativen, Effekten. Eine Stinkbombe werfen ins "Glamourama" von Hollywood, Musical Entertainment & Co, die gnadenlosen Mechanismen, die Menschenverachtung aufdecken, die nicht nur dort daheim ist, sondern vielleicht längst überall, so könnte man die Message des Stücks beschreiben.
Das Ergebnis allerdings steuert ungefähr in Richtung "Uups, die Pannenshow" im Fernsehen, ist aber kaum lustig, weil das darf ja keinesfalls sein. Eine gewaltige Wendel-Treppe dehnt sich im Salzburger Republic empor (Bühne: Doris Dziersk); darunter sind Möbel gestapelt, Kästen, ein Metall-Spind, Fernseher, Sofas, Spiegel.
Sechs Akteure (Boris Charmatz, Thomas Conway, Leja Jurisic, Anna MacRae, Vania Rovisco, Kristof van Boven), allesamt wohl souveräne Künstler, absolvieren eine atemberaubende und halsbrecherische Apokalypse von Peinlichkeiten. Was wird hier bewiesen? Dass gute Künstler schlechte spielen können? Geschenkt. In blonden Plastik-Perücken wälzen sich die Spieler auf dem Boden. Sie erklettern die Kästen, stürzten sich die Treppe hinunter oder stolzieren unzählige Male darauf herab wie Show-Master, die den großen Auftritt proben. Eine der Damen (Anna MacRae) überwindet die Stufen sogar auf Rollschuhen. Ein Akteur kämpft mit Fäusten aus Stoff in Überlänge, die seine Arme umschließen. Er bedroht die Frauen, die sich an ihm rächen. Bei einem der Ring-Kämpfe wird eine Dame in einen Glas-Schrank gesperrt. Eine Paar drischt - in Andeutungen - aufeinander ein. Ein Mann hüpft von der Treppe auf ein Sofa. Auch die obligate Torte, die bereits bei Handke und bei "Viel Lärm um nichts" Dienst tat, ist wieder dabei. Dazu gibt es Texte. Ein Mädchen erzählt vom Verlust der Unschuld, der eigenen und jener des Freundes, eine der wenigen Passagen, die berühren, während die Flut abgestandener Witzen schmerzt: "Du stehst im Supermarkt, hast kein Geld - und gerätst in eine existenzielle Krise". "Was ist ein Mann mit einem Elefant auf dem Schädel? Ein Flachkopf".
Bei der Anhäufung von Obszönitäten, die Vania Rovisco auszustoßen hat ("Sowjetische Brüste, iranische Pussy. Multikulti!") schließlich, werden die Grenzen des Erträglichen vollends überschritten. Gut, es soll ja gerade das Unerträgliche vorgeführt werden: Humor auf Stöckelschuhen, die die Füße ruinieren. Allerdings wirkt die Aufführung trotz manch skurriler Action sehr zähflüssig. Man denkt: Hier versucht jemand, der Geld für eine Produktion bekommen hat, 90 Minuten lang die Zeit tot zu schlagen. Das Paar an meiner Seite ahnte es. "Wo von handelt das denn?", fragte er. "Keine Ahnung", flüsterte sie. Er: "Wozu haben wir das Programmheft gekauft?" Sie: "Ich werde nicht klug daraus. Immer dasselbe. Vielleicht hätten wir lieber essen gehen sollen."