Das Gesamtkunstwerk Otto Schenk

Eine Mischung aus vielseitigem Talent und klugem Networking.

Wer Otto Schenk persönlich begegnet, gibt sofort jedes Ressentiment an der Garderobe ab. Unmöglich, sich seinem kauzigen Charme, seinem Immer-Spielen, seinem Understatement, seinen meist stichhaltigen Argumenten zu entziehen. Das "Prinzip Otti" hat trotzdem nicht nur Freunde; wenn etwas nicht nach seinem Kopf geht, kann sich Schenk blitzschnell vom verbindlichen Verhandler zum beinharten Durchsetzer seiner Interessen verwandeln, sagen seine Kritiker und: Wer sich Schenk zum Feind macht, hat einen Gegner, der mit allen Wassern gewaschen ist. Inzwischen überwiegt allerdings in punkto Schenk die Heiligenverehrung. Schließlich ist der Mann 76. Er war Oberspielleiter an den Bundestheatern, hat an Burg, Oper sowie der New Yorker Met inszeniert. Er war Josefstadt-Direktor und hat viele große Rollen gespielt.

Schenk ist eine Ikone der wienerischen darstellenden Kunst, die umso mehr geliebt wird, als sie in der deutschsprachigen Schauspielkunst aufgeht. Schenk kann machen, was er will. Er ist, was er keineswegs immer war, ein Publikumsliebling, einer, der sich nicht anbiedert, nicht anbiedern muss, weil seine einstige Outrage in grandseigneuraler Grandezza verschwunden ist.

Schenks wahre Domäne ist der Ernst der Komödie. Gelächter kommt nicht von Lustigkeit, sondern von Peinlichkeit, Schande, ist sein Credo. Schenks Nestroy-Figuren sind traurig, grimmig, eisig, böse. Seine vielseitige und erfolgreiche Karriere war keine spontane Angelegenheit, sondern stets bestens geplant und getimt. Seine Frau versorgt das Gesamtkunstwerk mit Geschäftssinn, er selbst liefert Inspiration, Gespür. Networking, dieses heute so gern gebrauchte Wort, klingt im Zusammenhang mit Schenk modernistisch. Er hat es nicht studieren müssen, es war ihm wohl angeboren.

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